Regensburg (epd). Auf dem historischen Gesandtenfriedhof in Regensburg sind im Zuge der laufenden Generalsanierung erstmals die Oberseiten der barocken Grabkammern freigelegt worden. Archäologen trugen rund 50 Zentimeter Erdreich ab und legten die Grüfte frei. Unter den insgesamt 32 Grabplatten ruhen 110 Verstorbene.

Bei den Bestatteten handelt es sich um evangelische Gesandte des Immerwährenden Reichstags (1663-1806) und ihre Angehörigen, die meisten davon Mitglieder europäischer Adelsfamilien. Insgesamt fanden dort 45 Diplomaten ihre letzte Ruhestätte. Da eine Überführung in die Heimat häufig zu aufwendig gewesen sei, seien die Gesandten standesgemäß an ihrem Dienstort in Regensburg beigesetzt worden, erläuterte der Historiker und Projektverantwortliche Martin Weindl von der evangelischen Kirche.

Tierknochen, Inschriften, Tonpfeifen

Die Ausgrabungen brachten zahlreiche Funde zutage, darunter römische und mittelalterliche Keramiken, Tierknochen, Fragmente von Inschriften, Tonpfeifen sowie einen Pfennig aus dem Jahr 1793. Menschliche Überreste wurden nicht entdeckt, da sich diese in den gemauerten Grüften befinden. Die Totenruhe der Bestatteten werde gewahrt, so die Verantwortlichen.

Der Gesandtenfriedhof steht unter Denkmalschutz und gilt als europaweit einzigartiger Begräbnisplatz ausschließlich für protestantische Diplomaten aus ganz Europa. Mit der Sanierung soll das Zeugnis der Geschichte des Immerwährenden Reichstags in Regensburg und des frühen Parlamentarismus erhalten werden.

Erosion verlangsamen

Die Arbeiten haben 2020 begonnen und sollen Ende 2027 abgeschlossen sein. Sie kosten rund 2,6 Millionen Euro, die überwiegend vom Bund und vom Freistaat Bayern finanziert werden. Ziel ist es, die fortschreitende Verwitterung und Erosion der historischen Anlage zu bremsen. 20 meterhohe Prachtgrabmäler wurden in einem früheren Bauabschnitt saniert.