Augsburg, München (epd). Für einen schleichenden Bedeutungsverlust der Klimapolitik macht ZDF-Wissenschaftsmoderator Harald Lesch Bildungslücken von Spitzenpolitikern verantwortlich. "Die deutsche Politik braucht dringend physikalischen Nachhilfeunterricht", sagte der Münchner Astrophysikprofessor der "Augsburger Allgemeinen" (Freitagausgabe). Allerdings habe er persönlich etwa beim bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) bislang wenig Erfolg mit wissenschaftlichem Rat gehabt: "Ich habe ihn einige Male beraten - er machte immer das Gegenteil."

Lesch zeigte sich ärgerlich, auch über die Außendarstellung von Söders Staatsregierung. Obwohl im Freistaat der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien bei 75,5 Prozent liege, rede dies die Koalition aus CSU und Freien Wählern klein. "Die Staatsregierung ist offensichtlich nicht in der Lage, sich über diesen Erfolg zu freuen", sagte er. "Vielleicht, weil es auch und gerade ein Erfolg der Grünen und deren langfristiger Politik wäre", mutmaßte er.

"Die Wärmepumpe ist das Beste"

Unzufrieden äußerte sich der Physiker auch über die Politik im Bund der vergangenen Jahre. Vor allem bei Wärme und E-Mobilität "hat die Politik Mist gebaut", sagte er: "Die Wärmepumpe wurde ideologisiert und zu einer Teufelsmaschine gemacht - dabei ist es das Beste, das die Physik anzubieten hat." Erst sei das E-Auto und dann die Batterieentwicklung "verpennt" worden: "Und jetzt macht sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder für den Verbrenner stark."

Er könne das nicht nachvollziehen, sagte Lesch: "Das ist so, wie wenn jemand zu Ihnen nach Hause kommt und sagt: Den Induktionsherd schmeißen wir raus, es wird wieder auf offenem Feuer gekocht! Und die LED kommen auch weg, die Zimmer werden mit Fackeln beleuchtet!" Genau das bedeute der Rückzug in die Verbrennertechnologie. Alle elektrischen Lösungen seien "immer viel, viel, viel effizienter".