Augsburg (epd). Zu mehr Mut in Zeiten der Unsicherheit haben die Dekane von Augsburg aufgerufen. "Sicherheit versucht, alle Risiken auszuschließen. Glaube wagt Wege, weil Gott mitgeht", sagte der evangelische Dekan Frank Kreiselmeier laut Predigtmanuskript am Samstag in Augsburg. Gemeinsam mit dem katholischen Dekan Helmut Haug hielt er im Ökumenischen Festgottesdienst zum Hohen Friedensfest eine Dialogpredigt.
Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, "wie zerbrechlich unsere Sicherheiten sind", sagte Kreiselmeier. Die Frage des Glaubens sei aber: "Sollten wir nicht lieber in einer gewollten Unsicherheit leben?" Und sei diese nicht auch Freiheit? Die Vorstellung von Glauben in gewollter Unsicherheit liege der christlichen wie auch der jüdischen und der islamischen Religion zugrunde.
"Wer das Gute wahrnimmt, beginnt anders zu leben"
Eine "Gebrauchsanleitung, wie man in unsicheren Zeiten leben kann", finde sich im ersten Brief des Paulus an die Thessalonicher, so Kreiselmeier. Darin beginne der Apostel nicht mit dem großen Frieden für die Welt, sondern "mit der Gemeinde": Er ermahnt und ermutigt sie zum rechten Verhalten und dazu, einander erstmal zuzuhören. Zu achten seien "die, die sich unter euch mühen" - nicht die Erfolgreichen und scheinbar Perfekten.
Menschen begegneten der Unsicherheit unterschiedlich, sagte Haug laut Predigtmanuskript. Paulus weise darauf hin, "dass die Ängstlichen ermutigt werden sollen und dass man auf sie hört". Zudem rufe er dazu auf, alles zu prüfen und das Gute zu behalten: "Vielleicht sollten wir uns jeden Abend fragen: Wo haben ich Gottes Güte gesehen?", sagte Kreiselmeier. "Denn wer das Gute wahrnimmt, beginnt anders zu leben."
Augsburg ist laut Haug "eine Stadt, die Jahr für Jahr daran erinnert, dass Frieden gelernt werden kann". Die Geschichte des Friedensfestes sei die eines "Lernprozesses", so Kreiselmeier: dass Frieden immer wieder neu eingeübt werden müsse.