München (epd). Immer mehr Männer, die Gewalt in Beziehungen erleben, suchen sich Hilfe. Das Männerhilfetelefon erfahre seit seinem Start im April 2020 eine andauernde hohe und steigende Nutzung, teilte das bayerische Familienministerium am Freitag mit. Das bundesweit bisher einmalige Angebot hatten die Landesregierungen von Bayern und Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen. Inzwischen gibt es das Hilfetelefon auch in Baden-Württemberg.
Im Jahr 2021 haben sich den Angaben zufolge 3.043 Männer ans Hilfetelefon gewandt. Ein Jahr zuvor waren es 1.480. Die Mehrheit, nämlich 61 Prozent, sei direkt von Gewalt betroffen, heißt es weiter. Neun Prozent stammten aus dem sozialen Umfeld Betroffener, 24 Prozent seien Fachkräfte, etwa von Polizei, Jugendämtern oder psychosozialen Beratungsstellen. Auch Täter meldeten sich. 55 Prozent der Anrufer seien zwischen 31 und 50 Jahre alt.
Am häufigsten sei es um psychische Gewalt (67 Prozent) gegangen, gefolgt von körperlicher Gewalt (42 Prozent). Die Hilfesuchenden berichteten jedoch auch von sexualisierter und ökonomischer Gewalt oder von Stalking. Das Hilfetelefon ist im Internet unter www.maennerhilfetelefon.de und unter der Telefonnummer 0800/1239900 zu erreichen. Betroffene aus ganz Deutschland können kostenlos und anonym Kontakte zu qualifizierten Beratern aufnehmen.
Bayerns Familienministerin Ulrike Scharf (CSU) sagte, dass nicht nur Frauen von Gewalt betroffen seien, sondern auch Männer. Mit dem Hilfetelefon werde eine Beratungslücke geschlossen. "Die starke Nutzung des Männerhilfetelefons in den vergangenen zwei Jahren zeigt, dass Gewalt an Männern durchaus ein Thema ist, und das über alle Altersgruppen hinweg." Dies sei aber immer noch ein Tabuthema.