München (epd). Zehn Jahre nach dem Sprengstoffanschlag von Ansbach hat sich die Gefahr islamistischer Terroranschläge laut einem Experten deutlich verringert. Allerdings radikalisierten sich im Internet momentan "ganz viele Teenager", sagte der Terrorismus-Experte Peter Neumann vom King's College London am Freitag dem Bayerischen Rundfunk (Radiosender Bayern 2) in München.

Heute gebe es keinen Islamischen Staat (IS) mehr, der Anschläge zentral steuere, sagte Neumann: "Dazu ist die Organisation nicht mehr in der Lage." Zugleich warnte vor einer anhaltenden digitalen Anziehungskraft des IS. Nach wie vor radikalisierten sich vor allem "ganz junge Leute" im Internet und versuchten dann, auf eigene Faust etwas zu tun. Die Intensität sei "sehr viel geringer, aber es ist noch da".

Radikalisierung im Internet macht es der Polizei "viel schwieriger"

Klassische islamistische Netzwerke wie vor zehn Jahren gebe es heute "nicht mehr in dem Maße". Dass sich die Leute in Chaträumen radikalisierten, mache es für die Polizei viel schwieriger, sagte der Professor. Viel von der Kommunikation sei verschlüsselt, viele der Leute hätten keine Vorgeschichte und müssten im Internet erst gefunden werden.

Die Prävention in den EU-Staaten hat sich nach Ansicht von Neumann deutlich verbessert. Vor 15 Jahren habe es noch keine solchen Programme gegeben, nun seien es viele. Die nächste Herausforderung sei, diese Programme auf neue Zielgruppen auszurichten. Präventionsarbeit müsse verstärkt in Räumen stattfinden, die einigen Präventionsarbeitenden nicht so vertraut seien, besonders im Internet.

Am 24. Juli 2016 fand in Ansbach vor den Toren eines Festivals ein islamistischer Sprengstoffanschlag statt. Dabei kam der 27 Jahre alte syrische Täter ums Leben, 15 Menschen wurden verletzt.