München (epd). Dem ersten Münchner Opfer der Nationalsozialisten setzt die Landeshauptstadt am Sonntag (16.April) ein Erinnerungszeichen. Am 16. April 1933 sei Erwin Elias Kahn, Sohn eines jüdischen Kaufmanns, in der Chirurgischen Klinik in der Nußbaumstraße vermutlich von NS-Wachleuten erwürgt worden, teilte die Stadt am Mittwoch mit. Bei dem Gedenkakt sprechen laut Einladung unter anderem die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, sowie der Holocaust-Überlebende Ernst Grube. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau und dem LMU Klinikum statt. Das Erinnerungszeichen angeregt hatte Versöhnungskirchen-Pfarrer Björn Mensing.
Der 33-jährige Erwin Kahn sei am 11. März 1933 von der Sturmabteilung (SA) festgenommen und in das Polizeigefängnis in der Ettstraße in München gebracht worden, hieß es weiter. Elf Tage nach seiner Festnahme sei er als einer der ersten Häftlinge in das soeben errichtete Konzentrationslager Dachau verlegt worden. Dort hätte die Lager-SS am 11. April ein Massaker an jüdischen Häftlingen verübt. Kahn habe schwerverletzt überlebt und sei in der Chirurgischen Klinik in München operiert worden. Dort sei er in den frühen Morgenstunden des 16. April gestorben. Wie eine Obduktion später ergab, wurde er "mit stumpfer Gewalt gegen den Kehlkopf" umgebracht.
Mit Erinnerungszeichen würdigt die Landeshauptstadt München Ermordete und Verfolgte des NS-Regimes. Die Tafeln oder Stelen werden an den letzten Wohnorten der Menschen angebracht. Auf diese Weise solle ihnen laut Stadt "ein Platz in der Gesellschaft zurückgegeben werden". Interessierte können für zukünftige Erinnerungszeichen Patenschaften übernehmen.