Hilpoltstein, Starnberg (epd). Mit verschiedenen Maßnahmen will die bayerische Staatsregierung die Natur im Freistaat an die Folgen des Klimawandels anpassen, um etwa langfristig die Wasserversorgung zu sichern. "Der Klimawandel ist da und er läuft", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag nach der Kabinettssitzung am Starnberger See, an der auch Experten vom Deutschen Wetterdienst und der Technischen Universität München teilnahmen. Vor allem die Wasserstrukturen in Bayern seien durch den Klimawandel mit Phasen von Hoch- und Phasen von Niedrigwasser herausgefordert wie nie.

Es gehe nicht um schnelle, sondern um langfristige Konzepte, etwa die Wasserstrategie 2050, sagte Söder. Ein Teil der Anpassungs-Maßnahmen ist das Aktionsprogramm "Schwammregionen in Bayern". Damit stärke die Staatsregierung den natürlichen Wasserrückhalt in der Landschaft und unterstütze ländliche Regionen bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels, hieß es im Bericht nach der Sitzung. Gemeinden, Land- und Forstwirtschaft und Bürger entwickelten gemeinsam regionale Lösungen und setzten diese um, etwa Feuchtbiotope und Wasserrückhaltestrukturen oder Klimagärten.

So entstünden widerstandsfähige Landschaften, die Wasser besser speichern, Hochwasserspitzen abmildern und Trockenzeiten besser überstehen sollen. Im Frühjahr 2025 wurden zehn Schwammregionen mit insgesamt 146 Gemeinden ausgewählt.

Naturschutzverband fordert Umsetzung einer EU-Verordnung

Der bayerische Naturschutzverband LBV hatte die Staatsregierung am Dienstag aufgefordert, den Wasserrückhalt in der Landschaft voranzutreiben, mehr Gewässer zu renaturieren, naturnahe Wälder zu fördern und gemeinsam mit den Kommunen die Städte stärker zu begrünen. Ein Werkzeug, um geschädigte Moore, Wälder und Flüsse wieder zu renaturieren, sei die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur, sagte Schäffer. Die bayerische Staatsregierung dürfe bei der Umsetzung keine weitere Zeit verlieren.

Söder sagte dagegen nach der Kabinettssitzung, es mache keinen Sinn, Bäume zu pflanzen, die vielleicht vor 30 Jahren dem Klima getrotzt hätten, aber heute nicht mehr. Deshalb sei man der EU-Verordnung gegenüber zurückhaltend. Seit 2018 seien in Bayern bereits über 100 Millionen Bäume gepflanzt worden, die klimaresilient seien, sagte Söder. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) ergänzte, dass die EU-Verordnung ohne ausreichende Finanzierung erlassen worden sei.

Der LBV forderte außerdem, die Moorrenaturierung als überragendes öffentliches Interesse festzuschreiben und verlässlich zu finanzieren. Gerade Moore erfüllten mehrere Aufgaben zugleich, indem sie Wasser zurückhielten, Hochwasserspitzen abmilderten und große Mengen Kohlenstoff speicherten. Die heute vom Bayerischen Kabinett beschlossenen Änderungen am Bayerischen Naturschutzgesetz brächten jedoch keinen substantiellen Fortschritt für Bayerns Natur, sagte der LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer. Im Gesetz fehlten etwa neue Instrumente, um die Wiedervernässung der Moore zu beschleunigen.