München (epd). Den Missbrauch der christlichen Religion für eine antidemokratische und menschenfeindliche Haltung hat der katholische Diözesanratsvorsitzende Armin Schalk kritisiert. Der US-amerikanische Tech-Milliardär Peter Thiel und weitere politisch einflussreiche Akteure benutzten theologisches Vokabular, "um antidemokratische Ideologien zu verbreiten und zu legitimieren", sagte Schalk beim Jahresempfang der Erzdiözese München und Freising am Mittwoch in München. Damit würden sie "die Sprache des Evangeliums instrumentalisieren, um dessen Gegenteil salonfähig zu machen".
Diesem Narrativ gilt es nach Schalk "eine andere Geschichte entgegenzusetzen" - so wie Papst Leo XIV. sie in seiner jüngst veröffentlichten Enzyklika "Magnifica Humanitas" aufzeige, indem er die Würde jedes Menschen in den Mittelpunkt stelle. Christliche Bilder besäßen auch heute politische Kraft, deshalb dürfe "die Kirche sie nicht denen überlassen, die sie gegen Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde wenden", sagte der Laienvertreter.
"Wer religiöse Bilder besetzt, prägt politische Wirklichkeit"
Laut Schalk verfolgen Thiel, der das Software-Unternehmen Palantir gegründet hat, und die von ihm beeinflussten Politiker das Ziel, "eine politische Theologie zu konstruieren, bei der die christliche Heilsgeschichte zu einem politischen Endkampf" umgedeutet werde. Sie nutzten die Kraft christlicher Begriffe wie "Erlösung, Opfer, Schöpfung oder gar Antichrist" mit der Strategie: "Wer religiöse Bilder besetzt, prägt politische Wirklichkeit." Diese Weltanschauung folge jedoch "einer Logik der reinen ökonomischen Verwertbarkeit der Menschen".
Dagegen sei die christliche Soziallehre "eine Erinnerung daran, dass der Mensch nie Mittel zum Zweck sein darf". Schalk rief dazu auf, sich "gegen menschenverachtende und demokratiefeindliche Bewegungen" zu stemmen. Er wünsche sich, dass "Kirche und Politik bei aller Eigenständigkeit im Einsatz für Demokratie enger zusammenrücken, ohne parteipolitische Hemmungen und ohne einander zu vereinnahmen".