Nürnberg (epd). Als "kurzsichtig und sozialpolitisch verantwortungslos" hat die Diakonie Bayern die Ende vergangener Woche bekannt gewordenen Kürzungspläne der Bundesregierung in der Kinder- und Jugendhilfe bezeichnet. Laut einer Pressemitteilung vom Dienstag folgen die Vorschläge einer rein fiskalischen Logik. "Sie fragen nicht danach, was Kinder und Jugendliche brauchen, sondern nur, was kurzfristig weniger kostet", sagte Diakonie-Vorständin Sandra Schuhmann.
Würden die Vorschläge aus dem Papier umgesetzt, drohen aus Sicht der Diakonie massive Verschlechterungen für junge Menschen und ihre Familien. Konkret gehe es etwa darum, individuelle Hilfen zur Erziehung durch pauschale Angebote zu ersetzen. "Der Ansatz klingt auf dem Papier effizient, wird aber in der Praxis scheitern", sagte Schuhmann. Eine Familie, in der ein Elternteil psychisch erkrankt ist, brauche eine andere Unterstützung als ein Jugendlicher ohne Schulabschluss oder ein Kind, das Gewalt erlebt hat. "Diese Lebenslagen lassen sich nicht standardisieren."
Schulbegleitung wichtiger Faktor bei Inklusion
Besonders kritisch bewertet die Diakonie die Diskussion um die Einschränkung von Schulbegleitung und individueller Unterstützung für Kinder mit Behinderungen. "Wer diese Hilfen streicht oder verwässert, nimmt bewusst in Kauf, dass Teilhabe scheitert", so die Vorständin. Die Vorstellung, Schulen könnten diese Leistungen einfach mit übernehmen, ignoriere die Realität vor Ort. Auch die geplanten Einschnitte bei jungen Volljährigen stoßen auf deutliche Ablehnung. Künftig sollen Hilfen nach dem 18. Geburtstag eingeschränkt oder ins Ermessen der Jugendämter gestellt werden. "Viele dieser jungen Menschen haben kein familiäres Netz, das sie auffängt. Wenn die Hilfe wegfällt, stehen sie plötzlich allein da."
"Jugendhilfe ist kein Kostenfaktor, den man beliebig reduzieren kann", betonte Schuhmann. Wer hier spare, verschärfe bestehende Krisen und verursache langfristig höhere Kosten, sozial wie finanziell. Aktuelle Entwicklungen unterstreichen diese Einschätzung laut Mitteilung der Diakonie. Studien zeigen demnach eine wachsende psychische Belastung bei jungen Menschen. Jedes vierte Kind gelte als belastet. Gleichzeitig fehlen vielerorts ausreichende Unterstützungsangebote. "In dieser Situation Leistungen zu kürzen, ist nicht nur kurzsichtig, sondern sozialpolitisch verantwortungslos", sagte Schuhmann.