München (epd). Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat den mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin verurteilt: "Diese abscheuliche Gewalttat ist ein direkter Angriff auf die Grundwerte unseres demokratischen und freiheitlichen Zusammenlebens", sagte Herrmann am Sonntagnachmittag laut Mitteilung. Bei dem Anschlag am Samstagabend wurden in Berlin eine Person getötet und Dutzende verletzt.

Herrmann sagte, seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen. Die Bayerische Polizei werde die Sicherheitskonzepte für die bevorstehenden CSD-Veranstaltungen im Freistaat nochmals überprüfen und die bereits hohen Schutzmaßnahmen bei Bedarf weiter verstärken. Hinweise auf konkrete Anschlagspläne in Bayern gebe es derzeit allerdings nicht, erläuterte der Minister: "Unsere Sicherheitsbehörden sind hellwach und stehen im engen Austausch mit Bund und Ländern."

Mahnwache auf dem Marienplatz am Montagabend

Herrmann betonte, dass die momentan noch laufende Großfahndung nach dem Täter zeige, wie wichtig der Einsatz von Videoüberwachungsanlagen an öffentlichen Plätzen und Bahnhöfen mit KI-gestützter Gesichtserkennung ist: "Wir benötigen so schnell wie möglich eine klare gesetzliche Grundlage für die Live-Gesichtserkennung bei der Videoüberwachung mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Im aktuellen Fall wäre dies eine enorme Hilfe bei der Fahndung nach dem Täter."

Die Münchner LGBTIQ*-Community will an diesem Montag (27. Juli) auf dem Marienplatz der Opfer des Anschlags auf den Berliner CSD gedenken. Bei der Mahnwache sprechen ab 19 Uhr Vertreter der Stadtspitze sowie der Münchner CSD-Organisationen, um ihre Solidarität mit der Berliner Community zu bekunden, heißt es in einer Mitteilung. Ein CSD müsse ein Ort sein, an dem Menschen sichtbar, frei und sicher sein können, betonte der Münchner CSD-Geschäftsführer Alexander Kluge.

Tatverdächtiger stand islamistischer Szene nahe

Mit Entsetzen und tiefer Trauer blicke man auf die Ereignisse in der Bundeshauptstadt. "Unsere Gedanken sind bei den Verletzten, den Angehörigen und Freund*\innen der getöteten Person sowie bei allen, die das Geschehen miterleben mussten", sagte Kluge. In dieser Situation gelte es, zusammenzustehen und der Trauer Raum zu geben. Die Besucher der Mahnwache können Kerzen und Blumen ablegen. Den musikalischen Abschluss bildet der Song "Somewhere over the rainbow".

Der Tatverdächtige soll am späten Samstagabend in Berlin mit einem weißen Kastenwagen in die Menschenmenge beim CSD gefahren und dann mit einer Stichwaffe auf weitere Passanten losgegangen sein. Gefahndet wird seit der Nacht zum Sonntag nach einem 21 Jahre alten Deutschen libanesischer Herkunft. Der mutmaßliche Täter war laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bereits in der Vergangenheit durch Zugehörigkeit zur islamistischen Szene aufgefallen.