Wer bei jeder Schlagzeile vom "Jahrhundert-Sternschnuppen-Spektakel" skeptisch die Augen verdreht, liegt nicht falsch. Die Nacht vom 30. auf den 31. Juli 2026 bietet aber tatsächlich gute Chancen, Sternschnuppen zu sehen – weil gleich mehrere Meteorströme gleichzeitig aktiv sind.
Im Mittelpunkt stehen die Südlichen Delta-Aquariiden und die Alpha-Capricorniden, die nach übereinstimmenden Angaben der vorliegenden Quellen in dieser Nacht beziehungsweise am 31. Juli ihr Maximum erreichen. Zusätzlich sind Ende Juli bereits die Perseiden aktiv.
Auch die Juli-Gamma-Draconiden, deren Maximum kurz zuvor lag, können noch einzelne Meteore beisteuern. Ab dem 31. Juli kommen außerdem die Eta-Eridaniden hinzu.
Welche Sternschnuppen sind in der Nacht aktiv?
Die Südlichen Delta-Aquariiden gelten als der ergiebigste der aktuell sichtbaren Meteorströme. Expert:innen zufolge können unter idealen Bedingungen bis zu 25 Meteore pro Stunde sichtbar werden. Die Alpha-Capricorniden sind deutlich schwächer und bringen lediglich etwa fünf Sternschnuppen pro Stunde hervor. Dafür sind sie für besonders helle, langsam ziehende Meteore bekannt, die oft als eindrucksvolle Feuerkugeln erscheinen.
Zusammen mit den bereits aktiven Perseiden sowie einzelnen Meteoren der Juli-Gamma-Draconiden und den beginnenden Eta-Eridaniden können Beobachter:innen Ende Juli also Meteore aus mindestens fünf verschiedenen Meteorströmen entdecken.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sich ihre theoretischen Maximalwerte einfach addieren lassen. Die tatsächliche Zahl sichtbarer Sternschnuppen hängt vor allem von den Beobachtungsbedingungen ab.
Wann ist der beste Beobachtungszeitpunkt?
Wer möglichst viele Sternschnuppen sehen möchte, sollte spät am Abend oder in den frühen Morgenstunden nach draußen gehen. 23 Uhr gilt allgemein als guter Beginn, der Höhepunkt der Aktivität dürfte gegen 4 Uhr morgens liegen.
Der Radiant der Südlichen Delta-Aquariiden – also der Punkt, aus dem die Meteore scheinbar kommen – liegt im Sternbild Wassermann und befindet sich in dieser Nacht im Süden. Beobachtet werden müssen die Sternschnuppen dort aber nicht: Sie können über den gesamten Himmel erscheinen.
Ein Fernglas oder Teleskop bringt dabei keinen Vorteil. Im Gegenteil: Das bloße Auge bietet den größten Himmelsausschnitt und damit die besten Chancen, eine Sternschnuppe zu entdecken. Empfehlenswert sind ein dunkler Beobachtungsort fernab künstlicher Beleuchtung sowie etwas Geduld, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben.
Welchen Einfluss hat der Mond?
Die Mondphase ist ein wichtiger Einflussfaktor für die Sichtbarkeit der Sternschnuppen. Je heller der Himmel durch den Mond aufgehellt ist, desto weniger schwache Meteore werden sichtbar.
Der Vollmond beziehungsweise das kurz zuvor eingetretene Vollmondlicht wird leider viele lichtschwache Meteore überstrahlen und erschwert die Beobachtung deshalb etwas.
Warum gibt es jedes Jahr dieselben Sternschnuppen?
Meteorströme entstehen, weil die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne regelmäßig die Staubspuren von Kometen oder Asteroiden kreuzt. Dringen diese winzigen Staub- und Gesteinsteilchen mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre ein, erhitzen sie sich durch die Reibung und bringen die umgebende Luft zum Leuchten – als Sternschnuppe.
Für die Südlichen Delta-Aquariiden wird in den Quellen der Komet 96P/Machholz 1 als Ursprung genannt. Die Alpha-Capricorniden gehen demnach auf den Kometen 169P/NEAT zurück. Weil die Erde diese Staubbahnen jedes Jahr ungefähr zur gleichen Zeit durchquert, kehren auch die entsprechenden Meteorströme regelmäßig wieder.
Die Nacht vom 30. auf den 31. Juli 2026 wird deshalb keine astronomische Sensation, wohl aber eine der abwechslungsreichsten Sternschnuppennächte des Sommers. Wer einen dunklen Beobachtungsort findet und etwas Geduld mitbringt, hat gute Chancen, nicht nur einzelne Sternschnuppen, sondern auch die markanten Feuerkugeln der Alpha-Capricorniden zu erleben.