Das Beten in der Ostkirche ist, vor allem im Mönchtum, bis zur Gegenwart vom mantrischen Beten (lateinisch: ruminatio, Wiederholungsgebet) geprägt. Diese Gebetspraxis wird einen wichtigen Anteil dazu geleistet haben, dass die ostkirchliche Theologie und ihre Liturgie einen stark mystischen Einschlag behalten haben. Theologie, Liturgie und Glaubenspraxis rechnen mit der Möglichkeit der Gottesschau und der erlebten Vereinigung mit Gott in diesem Leben. 

Genau dies ist das Ziel des hochgradig konzentrierenden Betens mit Mantren. Die wichtigste ostkirchliche Gebetsform ist das Jesus-Gebet, auch "Herzensgebet" genannt. Es ist der zentrale individuelle Einweihungsweg. Wegen seiner mystischen Wirksamkeit praktizieren ihn die ostkirchlichen Mönche bis heute. Viele große christliche Mystiker des Mittelalters haben über die Jahrhunderte Erfahrungen mit dieser Gebetspraxis gemacht. 

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