Papst Leo XIV. ist in den USA sehr beliebt. Das ergibt eine aktuelle Umfrage des renommierten Pew Research Centers. Doch ein genauer Blick zeigt: Auch der erste US-amerikanische Papst wird zunehmend Teil der politischen Polarisierung seines Heimatlandes.

Zwischen Johannes Paul II. und Franziskus

78 Prozent der katholischen Erwachsenen in den USA sehen der Umfrage zufolge Leo XIV. positiv. Nur zwölf Prozent äußern eine negative Meinung. 

Damit liegt Leo leicht unter seinem Wert vom Sommer 2025, als noch 84 Prozent der US-Katholik:innen positiv über ihn urteilten. Trotzdem bewegt er sich weiter auf dem Niveau, das Vorgänger Franziskus in seinen späteren Amtsjahren erreichte. Die Spitzenwerte von Johannes Paul II. schafft er jedoch nicht.

Regelmäßige Kirchgänger:innen stehen besonders hinter ihm

Besonders stark ist die Zustimmung unter praktizierenden Katholik:innen. Von denjenigen, die mindestens einmal pro Woche die Messe besuchen, bewerten 85 Prozent den Papst positiv. Unter selten oder nie kirchlich aktiven katholischen US-Bürger:innen liegt die Zustimmung noch bei 73 Prozent.

Auch bei Gender und Herkunft zeigen sich kaum Unterschiede. Männer und Frauen kommen jeweils auf 78 Prozent Zustimmung. Unter weißen Katholik:innen liegt der Wert bei 80 Prozent, unter hispanischen bei 75 Prozent. Schwarze und asiatische US-Katholik:innen sind laut Pew zahlenmäßig zu gering vertreten, um belastbare Aussagen treffen zu können. 

Diese Zahlen deuten darauf hin, dass Leo bislang zumindest keine größeren Gruppen innerhalb der katholischen Kirche verloren hat. 

Der Papst wird zur politischen Figur

Interessanter wird das Bild jedoch dort, wo Religion und Politik aufeinandertreffen. Denn die Zustimmung zu Leo verläuft zunehmend entlang der politischen Lager.

Unter katholischen Demokrat:innen und demokratisch orientierten Wähler:innen bewerten 84 Prozent den Papst positiv. Bei republikanisch orientierten Katholiken sind es dagegen nur 72 Prozent. Das ist zwar weiterhin eine deutliche Mehrheit, der Abstand zwischen beiden Gruppen ist jedoch gewachsen.

Damit wiederholt sich ein Muster, das in den USA inzwischen fast alle gesellschaftlichen Bereiche erfasst: Selbst religiöse Autoritäten werden durch die Brille der Parteizugehörigkeit betrachtet.

Der Konflikt mit Trump wirkt nach

Besonders sichtbar wird diese Entwicklung im Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump. Leo XIV. hat sich mehrfach mahnend zu Themen wie Migration, Krieg und moralischer Verantwortung geäußert. Trump wiederum reagierte darauf wiederholt ablehnend.

Die Folge scheint zu sein: Die Einschätzung des Papstes hängt zunehmend davon ab, wie man zu Trump steht.

51 Prozent der US-Katholik:innen finden, Trump sei gegenüber Leo zu kritisch gewesen. Nur vier Prozent meinen, der Präsident sei nicht kritisch genug. Bei der umgekehrten Frage zeigt sich ein differenzierteres Bild: 19 Prozent halten Leo für zu kritisch gegenüber Trump, während 35 Prozent meinen, er habe das richtige Maß gefunden.

Hier wird die Spaltung zwischen den politischen Lagern noch deutlicher. Sieben von zehn demokratisch orientierten Katholik:innen sagen, Trump sei gegenüber dem Papst zu kritisch. Unter republikanisch orientierten Katholiken teilt nur etwa ein Drittel diese Ansicht. Umgekehrt werfen 39 Prozent der republikanischen Katholik:innen Leo vor, zu kritisch gegenüber Trump aufzutreten – bei Demokraten sind es lediglich drei Prozent.

Eine neue Herausforderung für das Papstamt

Für Leo XIV. entsteht daraus eine besondere Situation. Als erster Papst aus den USA wird er nicht nur als Oberhaupt von weltweit mehr als einer Milliarde Katholiken wahrgenommen, sondern zunehmend auch als Symbolfigur im politischen Streit seines Herkunftslandes.

Das unterscheidet ihn von vielen seiner Vorgänger. Während Johannes Paul II. vor allem als moralische Autorität im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion galt und Franziskus oft als globale Stimme für soziale Gerechtigkeit auftrat, wird Leo zunehmend durch innenpolitische Konflikte in den USA definiert.

Leo XIV. bleibt unter katholischen US-Bürger:innen beliebt. Doch je stärker er sich in gesellschaftliche Debatten einmischt, desto weniger wird er nur als Papst gesehen – und desto mehr als Figur im amerikanischen Kulturkampf.