Die Neupfarr- und Dreieinigkeitskirche in Regensburg hat ab September wieder einen geschäftsführenden Pfarrer. Der zuständige Kirchenvorstand entschied sich für Hans Christian Glas (57), der derzeit noch Pfarrer und stellvertretender Dekan in Hof ist. Als singender Tenor hat er bei seinen Besuchen in Regensburg bereits in der Kantorei mitgewirkt oder Dienstpläne mit dem Kollegium abgestimmt. Ende August werde er sein neues Zuhause beziehen, sagte er im Interview.

Herr Glas, in dem Haus in der Pfarrergasse, das Sie beziehen werden, hat bereits Ihre Mutter als Kind gewohnt.

Hans-Christian Glas: Mein Großvater Heinrich Stark arbeitete von 1930 bis 1965 als Rummelsberger Gemeindediakon in Regensburg, sodass zahlreiche familiäre Verbindungen nach Regensburg bestehen. Für mich schließt sich damit ein Kreis, wenn ich mit meiner Frau, die Grundschuldirektorin ist, und unserer jüngsten, 14-jährigen Tochter von Hof nach Regensburg wechsele. Unsere anderen drei Kinder im Alter von 27, 26 und 21 Jahren sind bereits außer Haus.

Sie haben offensichtlich ein besonderes Faible für die Musik, wenn Sie als Tenor schon in der Kantorei mitgesungen haben.

Ich bin auf jeden Fall sehr offen für alles, was mit Musik zu tun hat. Das hat bei uns Familientradition. Glaube ist nicht mit Argumenten herbeizureden, da geht ganz viel über die Emotionen. Der größte Transporteur für Emotionen ist die Musik. Deshalb war es für mich immer so, dass ich Kraft gefunden habe, wenn ich mit anderen Leuten zusammen gesungen oder im Quartett oder in der Band gespielt habe. Da hoffe ich doch, dass wir den Leuten ganz viel anbieten können in Regensburg.

"Renovierungspläne an finanzielle Möglichkeiten anpassen"

Sie legen ein ziemliches Tempo vor, um die Innenstadtgemeinde nach der einjährigen Vakanz kennenzulernen. Wie gut muss so ein Neustart vorbereitet sein?

Eine gute Vorbereitung muss sein. Es gibt zwar Dinge, die in allen Kirchengemeinden gleich sind, wie Fragen der IT oder der Geschäftsführung. Andere Sachen sind unterschiedlich. Ich hatte etwa in Hof keine Kirchen mit Denkmalschutz, aber ich hatte zwei Kindergärten. Verwaltung und Management sind mir sehr vertraut, weil ich in Hof auch stellvertretender Dekan sowie stellvertretender Vorsitzender der Gesamtkirchengemeinde bin.

Die Vorzeigekirche der Reformation in Regensburg ist die Neupfarrkirche. Sie soll innen ein neues, moderneres Gesicht bekommen. Wie gefällt Ihnen der Sieger-Entwurf des Architekturbüros Marte und Marte aus Feldkirch?

Mir gefällt, dass das Zentrum an den Rand rückt oder statt der Bänke Stühle vorgesehen sind, sodass man mit Kindern etwas am Boden machen oder einen Beamer aufstellen kann, um etwas an der Leinwand zu zeigen. Ich finde es auch eine gute Idee, das Gebäude so zu gestalten, dass Menschen mit Behinderung oder einem Rollator gut in die Kirche kommen. Unsere älteste Tochter sitzt im Rollstuhl. Für sie ist es immer eine entscheidende Frage, wie sie in eine Kirche hineinrollen und wie unkompliziert sie an Gottesdiensten teilhaben kann. Ich freue mich, wenn wir mit den Planungen in naher Zukunft konkret werden. Allerdings brauchen wir dafür ausreichende Zuschüsse und müssen die Pläne an unsere finanziellen Möglichkeiten anpassen.

"Unsere Kirchen sind Schatzkästchen und Leuchttürme für Regensburg"

Nahezu 800.000 Menschen besuchen im Schnitt pro Jahr die Welterbestadt. Was kann die Kirche Ihnen bieten?

Glas: Bevor ich Pfarrer in Hof wurde, war ich im Bayerischen Wald als Urlauber- und Kurseelsorger tätig, habe also Erfahrungen in diesem Bereich. Unsere Kirchen sind Schatzkästchen und Leuchttürme für Regensburg. Ich glaube, hier könnte ein oder eine Tourismusseelsorgerin schöne Akzente setzen.

In Ihrer Bewerbung haben Sie herausgestellt, dass Ihnen die Familien- und Jugendarbeit wichtig ist.

Für die Zukunft der Kirche ist es wichtig, sich der Familien- und Jugendarbeit besonders anzunehmen. Nur so können wir die nächsten Generationen für die Liebe Gottes begeistern. Die Arbeit kann eine Pfarrperson nicht allein machen, da braucht es Menschen, die sich engagieren, und man muss um diese Menschen werben und die Voraussetzung schaffen, dass sie zuverlässig arbeiten können. Als geschäftsführender Pfarrer möchte ich die Basis dafür herstellen.

"Mein Vater ist katholisch, meine Mutter evangelisch"

Regensburg ist Domstadt mit katholischer Tradition. Wie wichtig ist Ihnen die Ökumene?

Mein Vater ist katholisch, meine Mutter evangelisch: Das war nicht immer einfach, aber immer bereichernd. Deshalb freue ich mich auf die ökumenischen Kontakte. Ich habe sowohl in Hof als auch im Bayerischen Wald die Erfahrung gemacht, dass ein schönes Miteinander entsteht, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen.

Braucht es in der Kirche insgesamt mehr Nähe zu den Menschen?

Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir Menschen so einladen, dass sie sich willkommen fühlen bei unseren Veranstaltungen, in unseren Gebäuden, in unseren Treffpunkten. Ich glaube, dass es sehr viel Offenheit braucht für die unterschiedliche Bereitschaft der Menschen, sich zu binden. Wir leben aber in einer Zeit, in der Menschen die kirchlichen Angebote als einen Anbieter unter vielen wahrnehmen. Wenn sie dann bei uns in der Kirche sind, sollen sie das Gefühl haben, dass sie am richtigen Ort und willkommen sind.