Vor fünf Jahren war es ein Novum in der bayerischen Landeskirche: Das evangelische Dekanat Landshut lud zum ersten Mal in einen Pop-up-Laden in der Innenstadt ein, um kirchliche Angebote bekannter zu machen. Für ein paar Wochen gab es in dem Raum in der Ladenzeile ein Seelsorge-Café, Leseinseln und einen Vintage-Kleiderverkauf der Diakonie. "Als Kirche wollen wir da sein, wo die Menschen sind - mitten im Leben, mitten in der Stadt, mitten im Alltag", sagte Dekanin Nina Lubomierski damals. Jetzt gibt es eine Fortsetzung, mit der die Kirche noch einen Schritt weitergeht - "direkt zu den Menschen", sagt Projektleiterin Veronika Eicher.
Frau Eicher, wo überall kann man Sie mit Ihrem Begegnungscafé in den nächsten Monaten antreffen?
Veronika Eicher: Wir bauen unseren nächsten Café-Stand auf dem Friedhof auf. Aber außer auf Friedhöfen kann man uns auch vor Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Altenheimen finden, also dort, wo Seelsorge wirklich stattfindet und wo es gut ist, einmal einen anderen Fokus zu setzen. Das müssen nicht vermeintlich kirchliche Orte sein. Wir überlegen sogar, Kinderspielplätze einzubeziehen. Wir haben viele Ideen und fangen dort an, wo es bereits eine Infrastruktur gibt. Das heißt, wir wollen als Kirche hinausgehen, dahin, wo die Menschen sind und nicht darauf warten, dass die Menschen zu uns in den Kirchraum kommen.
"Wir legen den Fokus auf diese Tier-Mensch-Beziehung"
Zum neuen Format gehört auch ein Aktionstag "Mensch und Tier", der nicht in einer Kirche stattfinden soll.
An diesem Tag dreht sich alles rund um Tier und Mensch. Tiere können Begleiter, Trostspender, Familienmitglieder, Arbeitspartner sein - und manchmal auch Anlass, ganz neu über Verantwortung, Fürsorge und Zusammenleben nachzudenken. Unterschiedliche Akteure aus der Region bringen ihre Perspektiven ein und zeigen, wie vielfältig das Zusammenleben von Mensch und Tier sein kann, unter anderem die Johanniter Rettungshundestaffel, Haustierbestattungen, der Tierschutzverein Landkreis Landshut, die Igelhilfe Eggenfelden und die Kirchengemeinden. Wir sind mit unserem Stand Café Seelenanker beteiligt und legen den Fokus auf diese Tier-Mensch-Beziehung.
Der erste Termin war auf einem Friedhof in Ergolding. Wie war die Resonanz?
Hervorragend. Im ersten Moment haben die Menschen zwar etwas stutzig geschaut, als sie das Café Seelenanker auf dem Friedhof entdeckten. Aber sie haben es mit Freude angenommen und gesagt, dass sie sich öfter solche Aktionen wünschen. Ich glaube, das liegt an der Atmosphäre. Wir gestalten mit dem Begegnungscafé eine Umgebung, wo man gerne plaudert, und an Orten, wo manchmal auch die Stimmen verstummen, weil Trauer und Ängste vorhanden sind. Wir gehen an Orte, die eher keine Orte des Plauderns sind. Diese Mischung ist es, die die Leute zu uns kommen lässt. Wir wollen damit sagen: Auch wenn das Reden gerade nicht viel hilft, sind wir als Kirche da. Und wir kommen raus zu euch und ihr müsst nicht zu uns kommen.