Mit der Aktion "Erfrischende Kirche" lädt die evangelische Kirche St. Stephan auf der Lindauer Insel Einheimische und Gäste dazu ein, der Sommerhitze zu entfliehen und zur Ruhe zu kommen. Pfarrerin Margit Walterham schildert im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) das Konzept mit kühlen Kirchenräumen, Leseecken im Chorgestühl und Liegestühlen, die so gemütlich sind, dass manch einer dort ein Nickerchen hält.
Frau Walterham, Sie sind Pfarrerin in der evangelischen Kirche St. Stephan in Lindau und machen mit beim Test-Projekt "Erfrischenden Kirche". Was steckt hinter der Idee?
Margit Walterham: Unsere Kirche liegt mitten am Lindauer Marktplatz, wo täglich viele Touristinnen und Touristen vorbeikommen. Im Sommer ist die Kirche angenehm kühl und bietet einen Ort, an dem man kostenlos zur Ruhe kommen kann. Das ist etwas anderes, als sich in ein Café zu setzen. Mit unserer Beachflag "Erfrischende Kirche" machen wir auf das Angebot aufmerksam. Wer hereinkommt kann verweilen, Kraft tanken und die besondere Atmosphäre genießen. Dazu kommt: Die Bodensee-Region ist eine der wärmsten Regionen in Deutschland. Dementsprechend freuen sich die Menschen über einen kühlen und schattigen Platz.
"Zwei Liegestühle, in denen man entspannter sitzt als auf einer Kirchenbank"
Was genau erwartet die Menschen, wenn sie in die "Erfrischende Kirche" in Lindau spazieren?
Wir bauen das Projekt gerade Schritt für Schritt aus. Es gibt eine gemütliche Leseecke mit Büchern zum Mitnehmen oder Tauschen, außerdem zwei Liegestühle, in denen man entspannter sitzt als auf einer Kirchenbank. Ein Gast ist sogar mal im Liegestuhl eingeschlafen, was natürlich ein Riesenkompliment für unser Projekt ist. Außerdem liegen Segenskarten zum Mitnehmen bereit. Die Leseecke im Chorgestühl gibt es schon seit drei Jahren, und sie wird sehr gut angenommen. So kommen auch Menschen in die Kirche, die sonst vielleicht nie hereinschauen würden. Nachhaltigkeit spielt dabei ebenfalls eine Rolle, denn viele Bücher in der Tauschecke bekommen so ein zweites Leben.
Wie soll sich das Projekt künftig entwickeln?
Die Kirche ist ohnehin täglich von halb neun morgens bis acht Uhr abends geöffnet. Ich bin überzeugt, dass das Projekt Potenzial hat - sonst hätten wir gar nicht mitgemacht. Jetzt sammeln wir zunächst Erfahrungen und schauen, welche Angebote gut ankommen. Wir denken noch über einen Wasserspender nach, müssen aber dafür noch Fragen zu Hygiene, Sicherheit, Müll und Wartung klären. Wir haben Sanitäranlagen, wo die Besucher ihre eigenen Flaschen mit Trinkwasser auffüllen können. Wichtig ist uns eine einfache, sichere und nachhaltige Lösung mit überschaubaren Kosten. Im nächsten Jahr, wenn die "Erfrischende Kirche" bayernweit an den Start geht, sind wir jedenfalls wieder mit dabei.