Umfragen zeigen immer wieder, dass Menschen eine Klinik der Grund- und Regelversorgung in ihrer Nähe haben wollen. Nur darin liegen wollen sie eher nicht. Zuletzt ergab eine Forsa-Umfrage im Februar für die Techniker Krankenkasse in Mecklenburg-Vorpommern, dass 88 Prozent der Befragten im Bedarfsfall lieber in eine weit entfernte, aber dafür auf ihr Problem spezialisierte Klinik reisen würden, als ins Krankenhaus vor Ort zu gehen.

Allerdings müssten die Menschen auch nur halb so oft im Krankenhaus liegen, wie sie es derzeit tun. Die Medizin hat Fortschritte gemacht, vieles lässt sich heute ambulant behandeln. Für eine Leistenbruch-OP beispielsweise müsste heute niemand mehr ins Krankenhaus. Aber die Organisation der deutschen Kliniklandschaft hat mit dem medizinischen Fortschritt nicht mitgehalten. Im Jahr 2023 hatte Deutschland noch 7,6 Krankenhausbetten je 1.000 Einwohner. Zum Vergleich. Die Schweiz hatte 4,4, Dänemark 2,4.

Mehr als die Hälfte der Fälle könnten ambulant behandelt werden

Der Krankenhausreport 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt, dass zwischen 53 und 58 Prozent der Fälle, die derzeit in deutschen Kliniken versorgt werden, genauso gut ambulant behandelt werden könnten. Vor allem in der Inneren Medizin und in der Allgemeinchirurgie sei das Ambulantisierungspotenzial besonders groß, 42 Prozent der Belegungstage und 39 Prozent der Krankenhauskosten könnten eingespart werden.

Da Innere Medizin und Allgemeinchirurgie einen großen Teil des Angebots kleiner Kliniken in der Fläche ausmachen, werden viele dieser Häuser - zumindest als stationäre Einrichtung - nicht mehr gebraucht. Weniger Krankenhauskosten bedeuten aber weniger Erlöse für Klinikbetreiber. Sie müssen daher ihre Vorhaltestruktur anpassen, um finanziell lebensfähig zu bleiben

Chancen und Risiken der Ambulantisierung

In kleinen Häusern steht zudem die Qualität der Medizin mitunter infrage. Geringe Fallzahlen sind statistisch mit geringerer Qualität einer medizinischen Leistung verknüpft. Daher gibt es seit Jahren Mindestmengenregelungen. Kliniken dürfen eine Behandlung nur dann überhaupt anbieten, wenn sie eine bestimmte Anzahl Fälle davon im Jahr aufweisen können. Ab einem gewissen Komplexitätsniveau sollen Leistungen in größeren oder spezialisierten Häusern erbracht werden. Einfache Leistungen fallen auch in kleinen Häusern in Fallzahlen an, die sie auch dort qualitativ hochwertig möglich machen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft betont selbst die Chancen der Ambulantisierung, warnt aber auch vor Risiken im Prozess. So dürfe der Wandel nicht "rein kostengetrieben oder ohne tragfähige strukturelle, finanzielle und qualitative Rahmenbedingungen" vonstatten gehen, erklärte die Gesellschaft im Dezember vergangenen Jahres.