Es braucht nie länger als 30 Minuten, um von Mosbach aus ein Krankenhaus zu erreichen. Egal, in welche Himmelsrichtung man von der Kreisstadt Mosbach des Neckar-Odenwald Kreises im nördlichen Baden fährt. Mosbach hat selbst auch eine Klinik. Die kommunalen Neckar-Odenwald-Kliniken sind aber finanziell defizitär, das Kreiskrankenhaus Mosbach und sein Pendant in Buchen machten im vergangenen Jahr zwölf Millionen Euro Minus. Auch wegen der geografischen Gegebenheiten empfahl ein Gutachter, den Standort Mosbach aufzugeben.

Mosbach sollte aber nur als Klinik verschwinden, als ambulante medizinische Einrichtung sollte es bestehen bleiben, ein sogenannter sektorübergreifender Versorger (SÜV) mit mehreren Fachrichtungen und telemedizinischer Anbindung. Allerdings stoppte im Mai der Neckar-Odenwälder Kreistag das Vorhaben, Mosbach soll nun bis mindestens 2029 ein Krankenhaus haben.

Krankenhaus als Sicherheitsversprechen

Achim Brötel (CDU), Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises und außerdem Präsident des Deutschen Landkreistags, sieht hauptsächlich emotionale Gründe für die Ablehnung. "Für die Menschen ist ein Krankenhaus immer ein Sicherheitsversprechen", sagt er. "Ein SÜV nimmt aber eben gerade nicht an der Notfallversorgung teil", das sei eine zentrale Schwäche in der Bundesgesetzgebung. Zudem seien die finanziellen Eckpunkte des SÜV immer noch unklar.

Kleine Krankenhäuser stehen unter besonderem wirtschaftlichem Druck, mehrere Kliniken haben in den vergangenen Jahren aufgeben müssen. Von Klinikschließungen ist oft die Rede, gar von Kliniksterben. Andere kommunale Krankenhausträger, die in der Vergangenheit Standorte aufgegeben haben und die der Evangelische Pressedienst (epd) angefragt hatte, lehnten ein Gespräch ab. Man sei froh, dass die Debatten vor Ort um Klinikschließungen abgeebbt seien und wolle sie nicht wieder befeuern, hieß es.

Nur wenige Häuser würden wirklich geschlossen, erklärt der Hamburger Gesundheitsökonom Jonas Schreyögg. Meist entstünden daraus Heime oder ambulante Versorgungszentren, so wie das in Mosbach geplant war. Er schätzt die Zahl auf bundesweit 10 bis 15 echte Schließungen pro Jahr, die aber meist kleine Häuser mit 30 bis 50 Betten beträfen. Das größere Problem seien Schließungen auf Fachbereichsebene, etwa in der Geburtshilfe.

Leichte Behandlungen können vor Ort bleiben - ambulant

Umwandlungen von Kliniken in ambulante Versorgungszentren gibt es nach Schreyöggs Worten noch viel zu wenige. Oft seien Bürgerinitiativen dagegen, sie wollten wenigstens leichtere Behandlungen vor Ort behalten. Könnten sie auch, erklärt der Forscher, und zwar auch ohne Krankenhaus. Ambulantisierung sei der Weg. Hier sei aber die derzeitige Vergütung von Behandlungen das Problem, sagt Schreyögg.

Ob die Bevölkerung die Umwandlung einer Klinik in ein Versorgungszentrum akzeptiert, hängt Schreyögg zufolge unter anderem an einem Faktor: "Das ist auch eine Frage der Kommunikation", sagt er.

Mehr Fachrichtungen durch Ambulantisierung

Klaus Fischer bestätigt das. Er war bis 2023 Geschäftsführer des Krankenhausträgers im Landkreis Cham, der zu 25 Prozent dem Kreis und zu 75 Prozent dem privaten Klinikbetreiber Sana gehört. Das Haus in Roding ist derzeit auf dem Weg vom Krankenhaus zum Mehrsektoren-Zentrum.

"Man hat die Menschen hier lange vorbereitet", berichtet Fischer. Dennoch habe sich Widerstand formiert. Eine Bürgerinitiative habe sich gegründet, aber Fischer sagt, das seien überwiegend Menschen gewesen, die zuhören konnten. Er sei durch die Gasthäuser gezogen, um mit den Leuten zu sprechen: "Natürlich waren sie nicht begeistert und hatten Ängste." Das Argument "Ihr braucht Fachärzte und keine Betten" habe aber viele überzeugt.

Fachärzte haben die Menschen in Roding bekommen. Zur Orthopädie und Chirurgie sind in Roding seit der Umwandlung noch die Innere und die HNO hinzugekommen, bald folgen noch Allgemeinmedizin, Augenheilkunde und Kieferchirurgie. "Wir würden gerne auch noch einen Kinderarzt und einen Dermatologen haben", sagt Fischer.

Weniger Betten, aber nicht weniger Personal

Es sei aber einiges an Arbeit nötig, um das alte Krankenhaus in ein ambulantes Behandlungszentrum zu verwandeln, berichtet Fischer. Den OP könne man für ambulante Operationen noch gut nutzen, aber die langen Flure der Bettenstationen seien ungünstig angelegt. 

Deswegen müsse ein Teil der Gebäude umgebaut oder abgerissen und neu gebaut werden, die Arbeiten seien noch nicht abgeschlossen. Wenn alles fertig sei, werde es ein "neues Stadtviertel" geben, mit Praxen, einer Apotheke, einem Sanitätshaus, einem Pflegeheim und einer Pflegeschule.