Erlangen (epd). Eine Studie des Forschungszentrums für Islam und Recht in Europa an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zeigt erstmals experimentell, wie Diskriminierungserfahrungen das Vertrauen in staatliche Institutionen beeinflussen. "Wir wissen seit Langem, dass Musliminnen und Muslime in Deutschland Diskriminierung erleben, etwa auf dem Arbeitsmarkt", sagte die Politik- und Islamwissenschaftlerin Stephanie Müssig laut einer Mitteilung der FAU vom Freitag. "Was bisher fehlte, war belastbare Forschung dazu, wie sich diese Erfahrungen auf politische Einstellungen auswirken."
Für das Forschungsprojekt sei erstmals ein randomisiertes kontrolliertes Experiment zu diesem Thema mit 135 Studierenden in Fächern mit Nahost- und Islambezug durchgeführt worden. Ergänzend fanden sieben Gruppendiskussionen statt. "Wir konnten nachweisen, dass das Vertrauen in die Polizei signifikant sinkt, wenn Musliminnen und Muslime mit Informationen über Diskriminierung ihrer Gruppe konfrontiert werden", sagte Müssig. Bei Teilnehmenden mit ausgeprägter muslimischer Identität zeigte sich zusätzlich ein geringeres Vertrauen in den Deutschen Bundestag. Andere Institutionen wie Gerichte oder die Bundesregierung waren weniger betroffen, hieß es.
Staat auch als Quelle von Diskriminierung wahrgenommen
In den Gruppendiskussionen sei zudem deutlich geworden, dass viele Muslime den Eindruck haben, staatliche Institutionen seien nicht immer bereit, sie zu schützen. Der Staat werde teilweise selbst als Quelle von Diskriminierung gesehen, etwa durch politische Entscheidungen, behördliche Praxis oder öffentliche Rhetorik, so Müssig. Trotz dieser Erfahrungen zeigten die Ergebnisse keine Abkehr von Demokratie oder Gesellschaft. Viele hofften darauf, dass die Situation besser werde - vor allem für nachfolgende Generationen.
Die Studie unterstreicht laut Mitteilung, wie wichtig es sei, muslimische Erfahrungen ernst zu nehmen. "Vertrauen ist keine Einbahnstraße", betonte Müssig. "Unsere Studie zeigt: Wer Diskriminierung reduziert, stärkt die Demokratie." Die Studie entstand im Rahmen des FAU-Projekts "Wechselwirkungen". Dieses hat von 2020 bis Ende 2024 gesellschaftliche Diskurse über Islam, Islamismus und Maßnahmen gegen Radikalisierung untersucht.