Erlangen (epd). Arbeitslosigkeit verursacht bei den betroffenen Menschen lange Zeit psychischen Narben. Auch noch Jahre nach dem Einstieg in einen neuen Job würde sich das Erlebnis der Arbeitslosigkeit auf die Psyche auswirken, so das Ergebnis einer Studie des Lehrstuhls für Empirische Wirtschaftssoziologie an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU), von dem die FAU am Freitag berichtete. Bisher habe es widersprüchliche Ergebnisse dazu gegeben, wie lange die Folgen spürbar sind, hieß es.
Das Ergebnis der Untersuchung zeige jetzt, dass bis zu fünf Jahre nachdem ein neuer Job begonnen wurde, sich die Arbeitslosigkeit noch negativ auf die Psyche auswirke. Die allgemeine Zufriedenheit sei auch bei Personen, die nur kurze Zeit arbeitslos waren, niedriger als vor der Arbeitslosigkeit. Autoren sind die FAU-Wirtschaftssoziologen Andreas Eberl und Tobias Wolbring zusammen mit Matthias Collischon vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB).
Aus einer vergleichbaren Studie in den USA hätten bisher keine langfristigen negativen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die Psyche festgestellt werden können, heißt es weiter. Eberl sieht eine mögliche Ursache in den verschiedenen Ergebnissen darin, dass Arbeitslosigkeit in den beiden Ländern unterschiedlich bewertet wird. Während es in den USA mit "Hire and Fire" eine flexiblere Personalpolitik gebe, sei das Kündigungsrecht in Deutschland sehr reglementiert und damit Arbeitslosigkeit mehr stigmatisiert.