Augsburg (epd). Angesichts des Rücktritts von Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne) hält die Mehrheit der Mehrheit der Menschen in Deutschland Familie und Beruf in der Spitzenpolitik für kaum miteinander vereinbar. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der "Augsburger Allgemeinen" (Mittwochsausgabe) erklären 67 Prozent der Befragten, dass Familienleben und politische Spitzenämter nicht zusammenpassen.

Lediglich 22 Prozent glauben, dass auch auf höchster politischer Ebene die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich sei. Wenig Unterschiede gibt es bei der Bewertung zwischen den Geschlechtern: 68 Prozent der Männer und 65 Prozent der Frauen halten die Übernahme politischer Spitzenämter für familienfeindlich.

Spiegels Rücktritt halten der Umfrage zufolge 73 Prozent der Befragten für richtig. Lediglich 17 Prozent bedauerten den Schritt der Ministerin. Begrüßt wird der Rücktritt der Grünen-Politikerin Spiegel auch im eigenen Lager. 48 Prozent der Anhängerschaft der Grünen halten die Konsequenzen für richtig, 37 Prozent für falsch. Unter denen, die SPD, Union, FDP oder AfD nahestehen begrüßen über 70 Prozent den Rücktritt.

Anne Spiegel hatte nach massiver Kritik an ihrem Verhalten kurz nach der Flutkatastrophe an der Ahr im Sommer 2021 am Montag ihren Rücktritt als Bundesfamilienministerin erklärt. Die damalige Umweltministerin von Rheinland-Pfalz hatte zehn Tage nach der Flut einen vierwöchigen Familienurlaub gemacht und dies mit familiären Belastungen begründet.

Für die repräsentative Umfragen wurden am 11. und 12. April per Internet 5.001 Bürgerinnen und Bürger befragt. Ihnen wurde die Frage gestellt: "Finden Sie es richtig oder falsch, dass Anne Spiegel vom Amt der Bundesfamilienministerin wegen der Affäre um ihren Urlaub nach der Flutkatastrophe zurückgetreten ist?"