München, Jena (epd). Die Deutsche Provinz der Salesianer Don Boscos hat eine unabhängige wissenschaftliche Studie zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in Auftrag gegeben. Ein Forschungsteam des Universitätsklinikums Jena und der Ludwig-Maximilians-Universität München untersuche darin Formen von Gewalt an Minderjährigen in den Einrichtungen des katholischen Ordens, teilte dieser am Mittwoch in München mit. Betrachtet werde der Zeitraum von 1945 bis 2023.
Der Orden folge damit der Regelung für die unabhängige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, die die deutschen Ordensgemeinschaften und der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung 2021 gemeinsam festgelegt haben. "Mit dieser Studie setzen wir die intern begonnene Aufarbeitung der Fälle fort, in denen jungen Menschen in unserem Verantwortungsbereich durch Ordensangehörige, Mitarbeitende oder ehrenamtlich Helfende Gewalt angetan wurde", sagte Provinzial Pater Reinhard Gesing. Mithilfe der Ergebnisse sollen die Schutz- und Präventionsstrukturen weiter verbessert werden.
Dokumentenauswertung und Interviews
Die Untersuchung bestehe aus zwei Teilprojekten: einer kirchenhistorischen Analyse und einer psychosozialen Studie. Sie sei auf zwei Jahre angelegt und werde von einem interdisziplinären Beirat begleitet, dem auch Betroffene angehören werden. Zentraler Ausgangspunkt der Erhebungen seien die dem Orden bereits vorliegenden Meldungen von Betroffenen, darunter auch Personen, die Verfahren zur Anerkennung ihres Leids in Anspruch genommen haben. Dazu sollen historische Dokumente aus den Archiven des Ordens ausgewertet werden.
Auf einer Onlineplattform des Instituts für Psychosoziale Medizin, Psychotherapie und Psychoonkologie des Jenaer Uniklinikums erhalten Betroffene, Zeitzeugen und weitere Beteiligte zudem die Möglichkeit, ihre Erfahrungen - auf ihren Wunsch auch anonym - dem Studienteam mitzuteilen. Zusätzlich würden Interviews geführt. Auch eine Befragung der Mitarbeitenden zu den bestehenden Präventionskonzepten sei geplant, hieß es.