Bayreuth (epd). Die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner und Bayreuths Dekan Jürgen Hacker respektieren den Stadtratsbeschluss, die Hans-Meiser-Straße in Dietrich-Bonhoeffer-Straße umzubenennen. In einer gemeinsamen Stellungnahme vom Donnerstag machten sie aber deutlich, dass sie sich ein anderes Vorgehen gewünscht hätten. Der sinnvollere Weg wäre nach ihrer Ansicht eine echte erinnerungskulturelle Aufarbeitung gewesen.
Die Regionalbischöfin hatte vorgeschlagen, eine Tafel mit Informationen über Hans Meiser auf dem Grundstück ihres Amtssitzes, der sich in der Hans-Meiser-Straße befindet, aufzustellen. Dadurch hätte Bayreuth einen dauerhaften Lernort zur geschichtlichen Aufarbeitung dazugewonnen, betonten Greiner und Hacker in ihrer Stellungnahme. Die Kirchenhistorikerin und Meiser-Expertin Nora Andrea Schulze hätte die Tafelaufschrift formulieren sollen.
Die Münchner Historikerin kam in ihrer aktuellen Dissertation über Meiser zu einem milderen Urteil als manche Historiker und Theologen vor ihr: Meiser als "bekennenden Antisemiten" einzustufen, halte sie "in dieser Form für verfehlt", sagte sie in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Dem ehemaligen evangelischen Landesbischof Hans Meiser (1881-1956) wird neben seinen antisemitischen Äußerungen vorgeworfen, sich weder während des Zweiten Weltkrieges noch nach 1945 schützend vor jüdische Menschen gestellt zu haben. Doch die Meinungen über seine historische Würdigung gehen auseinander. Regionalbischöfin Greiner und Dekan Hacker zeigten sich aber erfreut, dass mit der Straßenumbenennung nun der evangelische Theologe und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer geehrt werden soll.
Der Bayreuther Stadtrat hat in seiner Sitzung am Mittwoch mit knapper Mehrheit von 21 zu 19 Stimmen einem Antrag der Grünen stattgegeben, die Hans-Meiser-Straße in Dietrich-Bonhoeffer Straße umzubenennen. Bereits 2007 hatten Nürnberg und München ihre Meiser-Straßen per Stadtratsbeschluss umbenannt. Weiden (2009) und Ansbach (2006 und 2013) lehnten eine Umbenennung ab. Pullach bei München wird voraussichtlich im Juni entscheiden.