Würzburg (epd). Bei der Suche nach Raubkunst ist im Martin-von-Wagner-Museum der Universität Würzburg ein um das Jahr 1600 datiertes Tragaltärchen in den Fokus gerückt: Es kam 1939 in den Bestand des Hochschulmuseums, wie die Uni am Dienstag mitteilte. Seit mehreren Jahren bereits besteht kein Zweifel mehr, dass das auf den ersten Blick unscheinbare Kunstwerk vom NS-Regime unrechtmäßig seinen damaligen Besitzern entzogen wurde. Inzwischen sind auch die rechtmäßigen Erben ermittelt - das Flügelaltärchen darf jedoch in der Gemäldegalerie des Museums bleiben.
Bereits im Jahr 2020 wurden 16 noch lebende Nachfahren der jüdischen Würzburger Kunsthändler-Geschwister Ernestine und Sigmund Seligsberger ermittelt. Sie leben verstreut in Kanada, den USA und in Israel, teilte die Universität mit. Die Hochschule hatte den Erben drei Optionen angeboten: die Rückgabe des Kunstwerks, einen Kauf des Kunstwerks oder einen Vertrag über eine Leihgabe. Die 16 Erben entschlossen sich für eine Dauerleihgabe ans Museum - verbunden mit einer Schrifttafel, die seit kurzem direkt neben dem Kunstwerk angebracht ist und über die Hintergründe informiert.
Die Geschwister Seligsberger wurden 1937 von den Nationalsozialisten gezwungen, ihr Geschäft in Würzburg aufzugeben - damals eine der größten Kunst- und Antiquitätenhandlungen Deutschlands. Sigmund emigrierte in die Niederlande und wurde, wie auch seine Frau und sein Sohn, 1942 von den Nazis deportiert und umgebracht. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Seligsbergers hatte das Geschäft 1937 übernommen und das Altärchen 1939 an das Martin-von-Wagner-Museum verkauft. Die Universität forscht weiterhin nach Raubkunst in ihren Beständen, hieß es.