München (epd). Der vom Münchner Missbrauchsgutachten schwer belastete Prälat Lorenz Wolf zieht weitere Konsequenzen. Der 66-Jährige habe um seine Entpflichtung als Leiter des Katholischen Büros Bayern sowie als Offizial im Konsistorium und Metropolitangericht München - also als oberster Kirchenrichter des Erzbistums München und Freising - gebeten, teilte die Erzdiözese am Montag mit.

Kardinal Reinhard Marx habe Wolfs Bitte mit sofortiger Wirkung angenommen, heißt es weiter. Er danke Wolf für "diese weitgehende und respektable Entscheidung, durch die Sie persönlich Verantwortung übernehmen in Bezug auf den Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs im Bereich der Erzdiözese". Marx werde nun die bayerischen Bischöfe um ihre Zustimmung zur Entpflichtung Wolfs als Leiter des Katholischen Büros bitten.

Im Januar hatte die Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl ihr unabhängiges Gutachten zu Fällen sexuellen Missbrauchs in den Jahren 1945 bis 2019 im Erzbistum München und Freising veröffentlicht. Das Gutachten lieferte Hinweise auf mindestens 497 Betroffene sowie 235 Täter, davon 173 Priester. Prälat Wolf wurde vorgeworfen, in mehreren Fällen wesentlich dazu beigetragen zu haben, Missbrauchsdelikte zu vertuschen und zu verharmlosen.

Ende Januar wurde bekannt, dass Wolf alle seine Ämter und Aufgaben ruhen lässt. Marx forderte Wolf mehrfach öffentlich auf, zu den Vorwürfen gegenüber dem Erzbistum Stellung zu nehmen. Anfang Februar bat Wolf dann im BR-Rundfunkrat, dessen Vorsitzender er ist, "aus tiefstem Herzen" um Verzeihung. Er schäme sich dafür, Schuld auf sich geladen zu haben. Zugleich verteidigte er sich gegen die im Gutachten erhobenen Vorwürfe.

Er habe sehr wohl an der Erstellung des Gutachtens mitgewirkt und Fragen "zu 20 Fällen" auf rund 140 Seiten beantwortet. Wolf stellte aber auch klar, dass er sich von den Gutachtern in dieser Form zu Unrecht kritisiert fühlt. Von mehreren Seiten wurde Wolf zum Rücktritt von all seinen Ämtern aufgerufen, unter anderem von der Grünen-Landtagsfraktion sowie dem Medienunternehmer und FDP-Landtagsabgeordneten Helmut Markwort.