Steingaden (epd). Die Gründerin der Bildungs- und Erholungsstätte Langau, Hedwig Döbereiner, ist tot. Sie starb bereits am vergangenen Freitag im Alter von 97 Jahren in München, wie die Bildungsstätte am Montag mitteilte. Döbereiner hatte die Langau (Landkreis Weilheim-Schongau) nahe der Wieskirche Mitte der 1960er-Jahre als Mitglied der Christlichen Pfadfinderinnen begründet. Die Begegnungsstätte entwickelte sich seither zu einer bundesweit einmaligen Erholungseinrichtung für Menschen mit und ohne Behinderung. Die Langau gehört dem Diakonischen Werk Bayern sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholung an.

Hedwig Döbereiner wurde am 27. Mai 1924 in Nürnberg geboren. Sie trat laut Mitteilung während des Zweiten Weltkriegs den 1937 von der Gestapo verbotenen Christlichen Pfadfinderinnen bei und gründete im Untergrund 1942 zusammen mit sechs anderen jungen Frauen in Castell im fränkischen Steigerwald den "Casteller Ring", aus dem acht Jahre später die gleichnamige evangelisch-lutherische Schwesterngemeinschaft "Communität Casteller Ring" entstand.

Im Bund Christlicher Pfadfinderinnen (BCP) war sie Anfang der 1950er-Jahre zunächst als Geschäftsführerin für Finanzen und Bauprojekte zuständig und pflegte in dieser Funktion zahlreiche Kontakte zu Kirche und Staat, heißt es weiter. Als Bundesmeisterin des BCP kaufte sie 1965 vom Freistaat Bayern das Gelände der früheren Schwaige des Klosters Steingaden, die Langau, und errichtete dort die erste "inklusive" Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Behinderung.

Döbereiner führte laut Mitteilung den Trägerverein der Bildungs- und Erholungsstätte Langau von 1971 bis 1992. Sie habe dort Modellprojekte entwickelt, die über Bayern hinaus wegweisend waren. Hierzu gehörte in den 1980-er Jahren das "Langauer Modell", bei dem sich Eltern von Kindern mit Behinderung begegnen konnten, begleitet und gestützt von Pädagogen. Auch die ersten Angebote für nichtbehinderte "Geschwisterkinder" entstanden in der Langau.

Döbereiner engagierte sich über Jahrzehnte hinweg in zahlreichen Gremien der kirchlichen Jugend- und Sozialarbeit. Sie gehörte der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) an, dem Diakonischen Rat der ELKB wie auch der EKD und war Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Erwachsenenbildung. Der Freistaat Bayern würdigte Döbereiners Wirken mit dem Verdienstorden und der Staatsmedaille für soziale Verdienste; vom Bund wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.