Mit Kerzen in den Händen, begleitet von Glockenschlag, Musik und Gebeten, ziehen seit zwei Jahrzehnten Menschen aus dem Flughafenumland durch Freising und die umliegenden Orte. Sie wollen damit ein Zeichen setzen für die Bewahrung der Schöpfung und den Klimaschutz. Und sie protestieren gegen den geplanten Bau einer dritten Start- und Landebahn am Münchner Flughafen.
Die Organisatoren der Aktion "Lichterzeichen – 2 Bahnen reichen" sehen in dem Ausbauprojekt einen Widerspruch zu den Herausforderungen der Gegenwart. Angesichts der spürbaren Folgen des Klimawandels seien zusätzlicher Flächenverbrauch, weitere Belastungen durch Lärm, Abgase sowie Fein- und Ultrafeinstaub und die Zerstörung wertvoller Naturflächen nicht zu rechtfertigen.
Dabei verweisen sie auch auf die Entwicklung des Luftverkehrs. Die Genehmigung für die dritte Startbahn stützt sich auf Prognosen aus dem Jahr 2011, die für das Jahr 2025 rund 590.000 Flugbewegungen am Münchner Flughafen vorausgesagt hatten. Tatsächlich wurden im Jahr 2025 jedoch lediglich 337.438 Flugbewegungen registriert. Im ersten Halbjahr 2026 ging die Zahl der Flugbewegungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar nochmals um 8,1 Prozent zurück. Für die Initiatoren ist dies ein deutlicher Beleg dafür, dass die damaligen Bedarfsprognosen den tatsächlichen Entwicklungen nicht entsprochen haben.
Selbst der heutige Flughafenchef Jost Lammers äußerte sich bereits dahingehend, dass eine dritte Startbahn derzeit nicht notwendig sei. Gleichzeitig verfügt die Flughafen München GmbH weiterhin über das Baurecht für das Projekt.
20 Jahre ökumenischer Protest gegen den Flughafen
Die Geschichte der Lichterzeichen begann im Oktober 2006. Am 6. November machten sich die Teilnehmer erstmals auf den Weg. In den ersten Jahren fanden die Veranstaltungen jeden Sonntag statt. Schweigend zogen die Teilnehmer, angeführt von einem Banner, zwischen der katholischen Kirche St. Lantpert und dem evangelischen Epiphanias-Zentrum in Freising-Lerchenfeld hin und her. Die Wege wurden von Glockenschlag begleitet, in den Kirchen wurde zu einer Andacht mit Musik eingeladen. Die Gestaltung übernahmen sowohl Laien als auch Geistliche beider Konfessionen.
Ergänzt wurden die regelmäßigen Lichterzeichen durch vier sogenannte Stadtgänge pro Jahr. Diese führten von der evangelischen Christi-Himmelfahrtskirche zum Freisinger Marienplatz oder auf den Domberg.
Mit dem Münchner Bürgerentscheid vom 17. Juni 2012 erhielt die Bewegung Rückenwind: Eine Mehrheit der Bevölkerung sprach sich gegen die dritte Start- und Landebahn aus. Die Stadt München betrachtet diesen Entscheid bis heute als bindend. Seither wurden die Stadtgänge auf zwei bis drei Veranstaltungen jährlich reduziert.
Christen für die Bewahrung der Schöpfung
Organisiert werden die Lichterzeichen von drei Gruppierungen: den "Christen für die Bewahrung der Schöpfung" der katholischen Pfarrei St. Lantpert Freising, der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Freising sowie der Bürgerinitiative Attaching. Besonders wichtig ist den Verantwortlichen der ökumenische, ruhige und besinnliche Charakter der Veranstaltungen. Willkommen sind alle Menschen, denen der Schutz von Klima und Natur am Herzen liegt.
Die Resonanz ist beachtlich: In den vergangenen 20 Jahren nahmen nach Angaben der Organisatoren mehr als 66.000 Menschen an insgesamt 387 Veranstaltungen teil. Die Teilnehmerzahlen reichten dabei von knapp 100 bis zu 3.500 Personen.
Jubiläumsveranstaltung in Attaching
Ein Jubiläum im klassischen Sinn wird es am 25. Oktober 2026 nicht geben. "Feiern können wir nicht", sagen die Veranstalter, solange an den Plänen für die dritte Startbahn festgehalten werde. Dennoch soll das 20-jährige Bestehen der Bewegung würdig begangen werden.
Die Veranstaltung findet in Freising-Attaching statt. Ausgangspunkt für die Lichteraktion ist die Franziskus-Kapelle. Nach einer Eröffnung durch den früheren Dekan Hauer sprechen die Landtagsabgeordneten Katharina Schulze und Michael Piazolo, die Freisinger Landrätin Susanne Hoyer sowie die Freisinger Oberbürgermeisterin Monika Schwind. Anschließend ziehen die Teilnehmer durch Attaching zur Kirche St. Erhard. Den spirituellen Abschluss gestaltet der frühere Weihbischof Bernhard Haßlberger. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von der Gruppe Herzbluat.
Mit dem Lichterzeichen soll auch im Jubiläumsjahr der leise, ökumenische und beharrliche Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung fortgesetzt werden.