München (epd). Flächenstillegungen aufzuheben, stellt für die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) kein Tabu dar. Bei einer Diskussionsveranstaltung des Wirtschaftsbeirats Bayern in München am Mittwochabend warnte sie angesichts des Kriegs in der Ukraine und der Auswirkungen auf Agrarmärkte und Lebensmittelpreise, dass man durch Stilllegungen von Flächen die Ernährungssouveränität Europas riskiere. "Wir dürfen keinesfalls den Fehler machen wie bei der Energieversorgung und von Importen abhängig werden", sagte sie laut einer Mitteilung ihres Ministeriums.

Auch "sonstige vielfältige Ansprüche an landwirtschaftlichen Boden" gelte es neu zu prüfen, betonte Kaniber. Die Herausforderung sei, gleichzeitig die Ziele Klimaschutz und Artenvielfalt nicht aus den Augen zu verlieren. Beim Bau neuer Siedlungs- und Verkehrsflächen müsse flächensparender geplant werden, forderte die Ministerin. Neue Flächen dürften erst in Anspruch genommen werden, wenn es im Innenbereich keine Möglichkeiten mehr gebe und bestehende Industriebrachen reaktiviert seien.

Auch die Energieerzeugung darf nach Kanibers Meinung nicht auf Kosten der Lebensmittelproduktion gehen. Man solle aufpassen, dass vorrangig solche Photovoltaikanlagen angelegt würden, bei denen Flächen gleichzeitig für die landwirtschaftliche Pflanzenproduktion und die Stromerzeugung genutzt werden könnten. Zunächst aber müssten alle Möglichkeiten zur Solarstromerzeugung auf bereits versiegelten Flächen ausgeschöpft werden.

Beim Thema Wald forderte Kaniber ebenfalls ein Umdenken. Großflächige Stilllegungen, wie sie die EU-Kommission vorantreibe, konterkarierten die Klimaschutzeffekte von Wald und Holz. Denn die Ministerin befürchtet, dass dann Holz in den Ländern produziert würde, die niedrigere Umweltstandards hätten.