Nürnberg (epd). Der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hält es für eine "echte Zukunftsinvestition", in die zeitgemäße Vermittlung der Bibel zu investieren. Bei der Eröffnung des Bibel Museums Bayern in Nürnberg, sagte der Landesbischof in seiner Festansprache, er hoffe, das neue Museum könne einen wichtigen Beitrag dazu leisten kann, "die Bibel wieder mehr ins Gespräch zu bringen". Es würde eine wichtige Kraftsquelle für ein Land versiegen, wenn die Bibel ins Private verbannt würde.

Die Bibel habe eine Grundkonstante, die nicht dem Wechsel der Zeiten unterworfen sei, stellte Bedford-Strohm fest. Ihr Inhalt sei nicht beliebig, sie sei "kein Steinbruch, aus dem sich jeder die Texte heraushauen kann, wie sie ihm ins Konzept passen". Er nannte als Beispiel das biblische Wort "sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen" (Micha 4,3). Die Sowjetunion habe 1959 den Vereinten Nationen die Bronzeskulptur "Schwerter zu Pflugscharen" geschenkt. "Die Skulptur ist heute ein eindringlicher Appell an die Nation, die sie gestiftet hat, endlich die Waffen schweigen zu lassen."

Das erste bayerische Bibelmuseum ist in Nürnberg in den Lorenzer Hof gegenüber der großen Lorenzkirche eingezogen. Dort wird über 3.000 Jahre zurück in die Entstehungszeit der Bibel geblickt, zugleich werden in modernen Installationen und Medienstationen heutige Fragen gestellt, die Bezug zur Bibel haben.

Der verhinderte bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte zur Eröffnung laut seines verlesenen Manuskripts, nach den Krisen der vergangen Zeit und angesichts des Kriegs in der Ukraine könne es kaum einen besseren Zeitpunkt für die Eröffnung eines Bibelmuseum geben. Aber auch die aktuelle Krise der Kirche sei ein Grund, "den Zellkern des Glaubens neu zu entdecken". Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (FW) sagte in einer Videobotschaft, das neue Museum sei "ein großartiges Angebot in der bayerischen Bildungslandschaft". Es sei ein neuer Leuchtturm in der Vermittlung des Glaubens,

Neue Leiterin des Bibel-Museums ist Astrid Seichter. Die Leiterin der museumspädagogischen Abteilung war bislang Stellvertreterin von Direktorin Claudia Harders. Diese verabschiedete sich von dem Posten, nachdem für sie nach jahrelanger Pionierarbeit "ein Traum in Erfüllung gegangen ist", wie Harders sagte.

Die Einrichtung des Museums auf 450 Quadratmetern hat 2,4 Millionen Euro gekostet, von denen die bayerische evangelische Landeskirche 1,6 Millionen Euro übernimmt. Der jährliche Unterhalt werde sich auf 600.000 Euro belaufen, hieß es. Man rechne in Zeiten nach der Corona-Pandemie mit rund 20.000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr.

Ein Highlight der Ausstellung ist die digitale Gumbertusbibel. Mit Maßen von 67 mal 45 Zentimetern und dem Gewicht von 40 Kilogramm gehört sie zur Gattung der "Riesenbibeln". Die erste sogenannte Daumenbibel, die Wilkinbibel oder die Miniatur der Skulptur "Schwerter zu Pflugscharen" des ukrainischen Künstlers Jewgeni Wiktorowitsch Wutschetitsch, Rollsiegel oder archäologische Funde aus der Bauzeit des Lorenzer Hofs sind ebenfalls zu sehen.

Anspruchsvoll ist der Media-Guide des Museums, mit dem man sich in 30 Minuten durch die Räume führen lassen kann, aber auch über 50 vertiefende Stationen in Deutsch, Englisch und Italienisch hören kann. Eine Kinderspur und eine Spur in Gebärdensprache sind integriert.

Eine erste Sonderausstellung ist dem Nürnberger Stadtschreiber Lazarus Spengler gewidmet.