München, Hamburg (epd). Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, hat mit Bestürzung auf den Tod des Schauspielers Michael Degen reagiert. "Mit ihm verlieren wir einen großartigen Schauspieler, einen feinen Menschen und schließlich auch einen weiteren wichtigen Zeitzeugen der NS-Zeit", sagte Knobloch am Dienstag. Er sei eine "Stimme der Erinnerung" und eine "Institution auf Bühnen und Fernsehschirmen" gewesen. Michael Degen starb nach Angaben des Rowohlt-Verlages am vergangenen Samstag im Alter von 90 Jahren.

Michael Degen kam 1932 als Sohn jüdischer Eltern in Chemnitz zur Welt. Er habe die Verfolgung durch das NS-Regime gemeinsam mit seiner Mutter in zahlreichen Verstecken in Berlin überlebt, erläuterte Knobloch, die auch Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ist. Degens Vater dagegen sei 1940 an im KZ Sachsenhausen erlittenen Misshandlungen gestorben. Nach dem Krieg sei Degen nach Israel ausgewandert, aber schon bald nach Deutschland zurückgekehrt, wo eine Jahrzehnte währende Schauspielkarriere folgte.

Besondere Erinnerungen verbindet Knobloch mit Degens autobiografischem Buch "Nicht alle waren Mörder" (1999). Darin schildert Degen seine Erlebnisse während der NS-Zeit, als er als kleiner Junge vor den Nationalsozialisten fliehen musste und ihm und seiner Mutter immer wieder Unterschlupf gewährt wurde. Das Buch zähle für Knobloch "noch immer zu den wichtigsten autobiografischen Schilderungen eines Überlebens in Deutschland". Degen habe anspruchsvolle Themen für das Publikum genauso anschaulich und überzeugend dargestellt wie leichte Unterhaltung.