München (epd). Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) fordert eine EU-weite Initiative gegen die Hungersnot in afrikanischen Ländern. Dies sei geboten bei der Bekämpfung von Fluchtursachen, sagte Herrmann laut Mitteilung vom Donnerstag. Herrmann hatte zuvor die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, genannt Frontex, in Polen besucht. "Wir dürfen neben dem Krieg in der Ukraine das sonstige Migrationsgeschehen nicht aus den Augen verlieren", sagte Herrmann. Auch hier brauche es gemeinsame europäische Lösungen.
Das internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hatte Anfang April vor einer Hungerkatastrophe in Afrika gewarnt. Mehr als ein Viertel der Menschen auf dem Kontinent litten bereits unter "alarmierendem" Hunger. Betroffen seien weite Teile Afrikas, darunter Mauretanien und Burkina Faso im Westen oder die dürregeplagten Länder Somalia und Äthiopien im Osten.
Bereits im ersten Quartal 2022 hätten laut Frontex mehr als 40.000 Menschen illegal die europäischen Außengrenzen übertreten oder dies versucht, teilte das bayerische Innenministerium weiter mit. Das sei eine Steigerung um 57 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und die höchste Zahl seit 2016, sagte Herrmann weiter. Frontex-Direktor Fabrice Leggeri sagte bei dem Treffen, dass besonders die Fluchtbewegungen über die Mittelmeerroute, also aus Afrika, seit dem vergangenen Jahr zugenommen habe.
Auch in Bayern sind laut Herrmann die Zahl der Asylanträge entsprechend gestiegen: Im vergangenen Jahr habe es rund 20.000 Anträge gegeben - ein Anstieg um 62,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Noch deutlicher sei der Anstieg im laufenden Jahr: "Hier liegen wir in Bayern bis Ende März bei rund 6.700 Erstanträgen, eine Zunahme um rund 80 Prozent zum Vorjahreszeitraum."