Bayreuth (epd). In Bayreuth soll es in absehbarer Zeit keine Straßennamen mehr geben, die Personen aus der Zeit des Nationalsozialismus ehren. Eine entsprechende Debatte ist im Rathaus für diesen Mittwoch (30. März) angesetzt. Konkret geht es um die Hans-Meiser-Straße in der Bayreuther Altstadt und die Hans-von-Wolzogen-Straße in der Bayreuther Gartenstadt.

Dem ehemaligen evangelischen Landesbischof Hans Meiser (1881-1956) wird neben seinen antisemitischen Äußerungen vorgeworfen, sich weder während des Krieges noch nach 1945 schützend vor jüdische Mitbürger gestellt zu haben. Doch die Meinungen über seine historische Würdigung gehen auseinander. Die Münchner Historikerin Nora Andrea Schulze kam in ihrer aktuellen Dissertation über Meiser zu einem milderen Urteil als manche Historiker und Theologen vor ihr: Meiser als "bekennenden Antisemit" einzustufen halte sie "in dieser Form für verfehlt", sagte sie in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Nachdem Bayreuth eine Umbenennung bereits 2010 ablehnte, ist die Diskussion nun neu entfacht. Für die Sitzung im Stadtrat prognostizieren viele eine knappe Zustimmung für den Antrag der Grünen, die Hans-Meiser-Straße in Bayreuth umzubenennen.

2007 hatten Nürnberg und München ihre Meiser-Straßen per Stadtratsbeschluss umbenannt. Als Grund wurden unter anderem seine antisemitische Äußerungen in einem Artikel von 1926 ins Feld geführt. Weiden (2009), Bayreuth (2010) und Ansbach (2006 und 2013) lehnten eine Umbenennung ab. Pullach bei München wird voraussichtlich im Juni entscheiden.