Stein (epd). Das evangelische FrauenWerk hat seinen Sitz in Stein bei Nürnberg an die Stadt Stein verkauft. Über den Kaufpreis für das rund 17.000 Quadratmeter große Parkgelände sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte ein Sprecher der Stadt am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Im ehemaligen Tagungs- und Gästehaus Stein plane die Stadt zunächst geflüchtete Frauen aus der Ukraine mit ihren Kindern unterbringen, sagte Bürgermeister Kurt Krömer bei der Vertragsunterzeichnung. Die Gebäude und das Gelände, die am Rednitzgrund liegen, wolle man aber in Zukunft für die Steiner Bürgerinnen und Bürger als Bildungscampus öffnen.

Die Immobilie habe seit 1947 dem FrauenWerk Stein gehört, sagte die geschäftsführende Vorständin des Frauenwerks, Michaela Wachsmuth. Der Verein ist bereits seit knapp 90 Jahren hier ansässig. Als Mieter werden die Geschäftsstelle des Frauenwerks und die Beratungsstelle für Mütter- und Kind-Kuren für mindestens fünf Jahre in Stein bleiben, sagte Wachsmuth. Auf dem Gelände wollen außerdem weiterhin das Komitee des Weltgebetstags der Frauen und weitere Einrichtungen ihren Sitz behalten.

Wenn nun im Tagungs- und Gästehauses aus der Ukraine geflüchtete Menschen einziehen, schließe sich der Kreis zu den Jahren, in denen das FrauenWerk geflüchtete Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg zur Erholung beherbergte, erläuterte Wachsmuth. Die zuständigen Gremien hätten zwar "mit einem traurigen Auge" den historischen Ort verkauft, räumte sie ein. "Mit ihm sind so viel Frauenkraft in Gesellschaft, Bildung, Spiritualität und sozialer Arbeit verbunden". Der Verein müsse aber in die Zukunft geführt werden. Er sei auch "Konzern", der bayernweit Einrichtungen habe und wie andere betriebswirtschaftlich denken müsse. Aus der früheren Mütterschule seien die Familienbildungsstätten in München und Nürnberg geworden. Genesungskuren für Mütter würden seit langem in den Kliniken in Aschau und Oberstdorf angeboten.

Mit dem Erlös für den Verkauf des Geländes werde man den satzungsgemäßen Stiftungszweck erfüllen. Wofür konkret würden die zuständigen Gremien nun beschließen. "Wir werden vielleicht Arbeitsbereiche vergrößern", sagte Wachsmuth.

Als Bayerischer Mütterdienst war das evangelische Frauenwerk vor 89 Jahren gegründet worden. Hier entstand auch das Deutsche Müttergenesungswerk. Der Weltgebetstag wurde von hier aus für Deutschland etabliert. Das Tagungs- und Gästehaus schloss das Frauenwerk im Dezember 2021.