Nürnberg (epd). Er überfällt im Märchen Großmütter und wurde mithilfe grausamer Wildtierfallen in Deutschland zwischenzeitlich ausgerottet: der Wolf. An einer Ausstellung zum Wissenschaftsjahr 2022 zum "Phänomen Wolf", zu sehen auf dem Ausstellungsschiff "MS Wissenschaft", beteiligt sich auch das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg, wie es am Donnerstag mitteilte. Die Frage "Woher kommt die Angst vor dem 'bösen' Wolf?" werde das Museum aus kulturhistorischer Perspektive angehen.

Schon früher habe der Wolf keinen guten Ruf genossen. Als Inbegriff des unberechenbaren Bösen sei er in alten Sagen, Überlieferungen und Darstellungen aufgetaucht, heißt es in der Mitteilung. Er ist die menschenfressende und hinterhältige Märchenfigur, die sieben Geißlein verschlingt und das arglose Rotkäppchen überlistet. Das zeigt unter anderem das Dekor eines Kindertellers aus dem Bestand des Germanischen Nationalmuseums. Eine Tierfalle, wohl aus dem 19. Jahrhundert, macht deutlich, mit welcher Brutalität der Mensch Raubtieren zu Leibe rückte. Das gefangene Wildtier verendete in solchen Fallen langsam und qualvoll. Ab Mai 2022 sollen solche Objekte aus den vergangenen 500 Jahren in der Ausstellung die frühere und heutige Sicht auf den Wolf darstellen.

An der Ausstellung arbeiten Forscher und Forscherinnen mit, die die Rückkehr der Wölfe seit den 1990er-Jahren wissenschaftlich begleiten, hieß es. Es beteiligen sich drei Leibniz-Forschungsinstitute, das Senckenberg Biodiversität und Klimaforschungszentrum, das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz und das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg.