Tübingen, Pforzen (epd). Eine neue Gattung prähistorischer Gänsevögel haben Forscher der Universität Tübingen und des Naturmuseums Frankfurt entdeckt. Das Tier namens Allgoviachen tortonica ("Allgäugans") lebte vor rund elf Millionen Jahren in Süddeutschland, teilte die Uni Tübingen am Mittwoch mit. Gefunden wurden die Knochen in der Tongrube Hammerschmiede in Pforzen (Kreis Ostallgäu).
Die Gänsevögel hatten etwa die Größe heutiger Nilgänse und wogen rund zwei Kilogramm, hieß es weiter. Sie lebten offenbar auf dem Boden, aber auch auf Bäumen. Professorin Madelaine Böhme von der Universität Tübingen wies darauf hin, dass vollständige Funde wie etwa ein komplett erhaltenes Bein weltweit sehr selten seien.
Außergewöhnlich ist der Mitteilung zufolge die Form der Krallen, die das Festhalten auf Ästen oder im Fluss treibenden Baumstämmen ermöglicht hätten. Eine Studie zu dem neuen Fund wurde im Fachmagazin "Historical Biology" veröffentlicht.
Forscherin Böhme wies darauf hin, dass die jüngsten Funde die weltweite Bedeutung der Tongrube Hammerschmiede für die Erforschung der Tierwelt in der Zeit vor elf bis zwölf Millionen Jahren unterstrichen. Man habe dort bislang 140 verschiedene Wirbeltierarten entdeckt, darunter auch den ersten aufrecht gehenden Menschenaffen. Böhme leitet die Ausgrabungen seit 2011, seit 2020 unterstützt der Freistaat Bayern die Forschung finanziell.