Augsburg, München (epd). Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) hat den grünen Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir scharf kritisiert. Grund dafür ist Özdemirs Nein zur Umwandlung von bis zu 170.000 Hektar Brachflächen als Ackerland, sagte die CSU-Ministerin der "Augsburger Allgemeinen" (Mittwoch). Flächen nicht zu nutzen, obwohl in einigen Regionen der Welt infolge auch des Ukraine-Kriegs sich viele Menschen "die teurer werdenden Lebensmittel nicht mehr leisten können oder gar Hungersnöte drohen, ist eine ethische Bankrotterklärung", erläuterte sie.
Die Ministerin forderte Özdemir auf, bei der Agrarministerkonferenz am Mittwoch schnellstmöglich rechtliche Grundlagen für die Nutzung massenhaft brach liegender Anbauflächen zu schaffen. Diese derzeit als ökologische Vorrangflächen brachliegenden Flächen "vorübergehend zu nutzen, kann Menschenleben retten und ist für die Umwelt verträglich machbar", sagte Kaniber. "Deshalb verstehe ich den Kurs von Bundesagrarminister Cem Özdemir nicht, nur eine minimale Regelung zur Nutzung von Brachflächen umsetzen zu wollen". Die Zeit dränge wegen der nun nötigen Aussaat, sagte sie.
Es gehe auch um "die Ernährungssouveränität Europas", sagte Kaniber. Man dürfe bei der Versorgung mit Lebensmitteln nicht erpressbar werden: "Das heißt aber absolut nicht, jetzt plötzlich wieder ohne Rücksicht auf Umwelt und natürliche Ressourcen drauflos zu produzieren." Allerdings müsse in einer Krisensituation die erzwungene Stilllegung von produktiven Ackerflächen zumindest vorübergehend infrage gestellt werden.