München (epd). Die rund 560 "Kriegs- und Einmarschberichte" von Geistlichen des Münchner Erzbistums aus dem Zweiten Weltkrieg sind nach Jahren wieder frei zugänglich. Die Berichte gehörten zu den wichtigsten Quellen zum Kriegsende im südlichen Bayern, teilte das Erzbistum am Donnerstag mit. Die 2005 in Buchform erschienene 1.500 Seiten starke Edition der Berichte sei seit langem vergriffen. Nun werde der komplette Text mit Einverständnis des Verlags Schnell & Steiner (Regensburg) online gestellt.
Im April und Mai 1945 sei der Krieg im Gebiet des Erzbistums durch den Einmarsch der US-Truppen zu Ende gegangen, heißt es. Die NS-Behörden hätten zu diesem Zeitpunkt ihre Tätigkeit bereits eingestellt, die kirchlichen Verwaltungsstrukturen dagegen hätten weiter funktioniert. Am 7. Juni 1945 habe der Münchner Generalvikar Ferdinand Buchwieser daher alle Seelsorgestellen aufgefordert, über die Kriegsereignisse und speziell das Kriegsende in der jeweiligen Pfarrei zu berichten.
So seien zwischen August 1945 und Juni 1946 die "Kriegs- und Einmarschberichte" entstanden, die eine Fülle von Informationen an fast jedem Ort des Bistumsgebiets böten. Bei der Auswertung der Berichte müsse man aber berücksichtigen, dass die einzelnen Berichterstatter die Ereignisse aus ihrem ganz persönlichen Blickwinkel niedergeschrieben hätten. Die Berichte seien oft für Recherchen genutzt worden - für Ortsgeschichte, von Schülergruppen oder um Blindgänger auf Baugrundstücken aufzuspüren.
Mithilfe des Ortsregisters könnten in der Online-Fassung nun alle gesuchten Einzelberichte schnell aufgefunden, heruntergeladen oder ausgedruckt werden. Außerdem gebe es kurze Angaben zu den berichtenden Geistlichen. In einer ausführlichen Einleitung würden Entstehung und Quellenwert der Berichte sowie der Verlauf des Kriegsendes im Erzbistum dargestellt.