München (epd). Angesichts bevorstehender Immobilienverkäufe durch die Münchner Caritas zeigen sich der Münchner Mieterverein und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) besorgt. In einem offenen Brief vom Freitag appellieren sie gemeinsam an den katholischen Sozialverband, seiner sozialen Verantwortung gerecht zu werden. Die Caritas plant, mehrere Immobilien in München zu "marktgerechten Konditionen" - so eine Sprecherin - zu verkaufen: die Wohnhäuser an der Schrenkstraße 3 und 9 (Westend) sowie das Azubi-Wohnheim an der Zieblandstraße 35 (Schwabing).

"Caritas steht für Nächstenliebe und soziale Verantwortung", heißt es in dem Brief, der von Reiter und der stellvertretenden Mietervereins-Geschäftsführerin Monika Schmid-Balzert unterschrieben ist: "Wir erwarten, dass dieser Anspruch auch bei Immobilienentscheidungen sichtbar wird", zumal in einer Stadt mit akutem Wohnungsmangel. Die elf Mietparteien in der Schrenkstraße seien verunsichert und hätten Sorge, dass sie künftig aufgrund höherer Mieten verdrängt werden könnten. Beim Jugendwohnheim stehe bezahlbarer Wohnraum für 125 junge Menschen auf dem Spiel.

Stadt: Ankauf ist "haushaltsbedingt nicht möglich"

Der Brief appelliert an die Caritas, das Wohl der Mietenden und der Stadtgesellschaft als oberste Priorität zu haben "und nicht Gewinnmaximierung". Mieterverein und Landeshauptstadt bieten dem Sozialverband an, ihn beim Verkauf zu sozialverträglichen Lösungen zu beraten - etwa in Form von Mietobergrenzen, langfristigen Wohnrechten oder Ausschluss von Eigenbedarfskündigungen. Die Stadt München ist nicht ins Bieterverfahren eingestiegen, da ein Ankauf derzeit "haushaltsbedingt nicht möglich" sei.

Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising hatte kürzlich seine Verkaufspläne für die Immobilien bekanntgegeben. Nach eigenen Angaben hat er einen Bestand von mehr als 100 Immobilien mit unterschiedlichen Nutzungen. Gemäß seiner Satzung habe er die Verantwortung, seinen Immobilienbestand ständig weiterzuentwickeln, so eine Sprecherin.