München (epd). Der Bund Naturschutz in Bayern fordert ein Ende der Debatte um mögliche Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken. Dazu schrieb der Vorsitzende Richard Mergner einen offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder (CSU), wie der Bund Naturschutz am Donnerstag mitteilte. Darin stellte Mergner klar, dass die Diskussion lediglich dazu diene, davon abzulenken, wie abhängig Bayern vom russischen Gas sei. Seit Jahren blockiere man in Bayern beispielsweise durch das Beharren auf der 10H-Regel den Ausbau von Windkraftanlagen und damit von erneuerbaren Energien. Laut 10H-Regel müssen Windkraftanlagen zehnmal so weit von bewohnten Gebäuden entfernt sein, wie sie hoch sind.

Die drei sich noch in Betrieb befindenden deutschen Atomkraftwerke machen laut Mergner lediglich fünf Prozent der deutschen Stromproduktion aus. Das russische Gas diene vor allem der Wärmeerzeugung und könne deshalb nicht durch Atomkraftwerke ersetzt werden. In seinen Augen würde außerdem durch das aktuelle Kriegsgeschehen in der Ukraine sehr deutlich, welches Sicherheitsrisiko von Atomkraftwerken ausgehe.

Ministerpräsident Söder hatte angesichts des Ukraine-Krieges in einer Regierungserklärung vor wenigen Tagen betont, dass Deutschland und Bayern langfristig unabhängig von russischer Energie werden sollten. Einen sofortigen Stopp von Importen lehnt er aber wegen "unabsehbarer Folgen für eine Wirtschaftsnation" ab. Stattdessen brachte er eine Laufzeitverlängerung des einzigen bayerischen noch laufenden Atomkraftwerks Isar 2 ins Gespräch und eine Wiederinbetriebnahme von Gundremmingen. "Verlängern ist vernünftig, abschalten ist ideologisch", sagte Söder.