Regensburg (epd). Die bayerischen katholischen Bischöfe treffen sich an diesem Mittwoch und Donnerstag (30./31. März) zu ihrer Vollversammlung in Regensburg. Dabei soll auch über die Aufarbeitung und Prävention von sexuellem Missbrauch beraten werden, wie das Münchner Erzbistum am Dienstag mitteilte. Im Januar war das Münchner Missbrauchsgutachten veröffentlicht worden, das die katholische Kirche nachhaltig erschütterte: Die unabhängigen Gutachter der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl gehen von mindestens 497 Betroffenen und 235 mutmaßlichen Tätern aus, davon 173 Priester - und auch von einer deutlich höheren Dunkelziffer.
Das Missbrauchsgutachten hatte weltweit für Aufsehen gesorgt, unter anderem weil auch mit Joseph Ratzinger ein späterer Papst im Fokus stand. Ratzinger werden während seiner Zeit als Münchner Erzbischof von 1977 bis 1982 mehrere Verfehlungen im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs vorgeworfen, auch dem derzeitigen Amtsinhaber Reinhard Marx wurden Verfehlungen nachgewiesen. Die Gutachter attestierten ihm aber auch eine grundsätzliche Offenheit gegenüber der Aufarbeitung. Schwer beschuldigt wird auch einer der mächtigsten katholischen Kirchenvertreter in Bayern, Prälat Lorenz Wolf.
Wolf soll laut Gutachten in mehreren Fällen wesentlich dazu beigetragen zu haben, Missbrauchsdelikte zu vertuschen und zu verharmlosen. Ende Januar wurde bekannt, dass Wolf alle seine Ämter und Aufgaben ruhen lässt. Am Montag teilte das Erzbistum mit, dass Wolf um die Entpflichtung als Leiter des Katholischen Büros Bayern sowie als Offizial im Konsistorium und Metropolitangericht München - also als oberster Kirchenrichter des Erzbistums München und Freising - gebeten habe. Kardinal Marx nahm Wolfs Bitte mit sofortiger Wirkung an. Zu seinem Rückzug aus dem Katholischen Büro Bayern braucht es nun auch die Zustimmung der bayerischen Bischöfe.
Weitere Beratungsthemen bei der Vollversammlung sind unter anderem die Situation der Flüchtlinge aus der Ukraine und das Kirchenasyl. In der sogenannten Freisinger Bischofskonferenz sind die sieben bayerischen Erzdiözesen und Diözesen Bamberg, München und Freising, Augsburg, Eichstätt, Passau, Regensburg, und Würzburg vertreten - sowie aus kirchenhistorischen Gründen auch das Bistum Speyer. Vorsitzender des Gremiums ist seit 2008 der Münchner Erzbischof Marx.