Fürth (epd). Insgesamt 551 Menschen in Bayern haben sich von 2020 bis 2024 in einem assistierten Suizid das Leben genommen. Die Zahl stieg kontinuierlich, wie das Landesamt für Statistik am Donnerstag in einem Pressegespräch erläuterte. Demnach gab es 2024 im Freistaat 235 assistierte Suizide, was 1,5 pro 100.000 Einwohner entspricht. 2020 waren es erst 9 (0,1 pro 100.000 Einwohner) gewesen. Damit war 2024 jede achte Selbsttötung in Bayern ein assistierter Suizid, 2023 war es erst jede zehnte gewesen.
Auch insgesamt nahm die Zahl der Selbsttötungen im Freistaat zu: 2019 gab es pro 100.000 Einwohner 10,9 konventionelle Suizide - so wenig wie nie zuvor. 2024 waren es 13,0 konventionelle und assistierte Suizide zusammen. Dabei sei jedoch nicht statistisch nachweisbar, ob der Anstieg der allgemeinen Suizidzahlen mit den vermehrten assistierten Suiziden zusammenhänge, hieß es vom Landesamt.
Assistierte Suizide werden seit 2020 erfasst
Die Zahl der assistierten Suizide wird in Bayern seit 2020 erfasst. Damals urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass die geschäftsmäßige Hilfe zur Selbsttötung grundsätzlich straffrei ist. Gesetzentwürfe zur Neuregelung scheiterten bislang, weswegen der assistierte Suizid aktuell "unter bestimmten Voraussetzungen möglich" ist, wie Andrea Buschner vom Landesamt sagte.
Bei den 551 assistierten Suiziden bis 2024 waren die Menschen im Schnitt 75,7 Jahre alt. 63 Prozent waren Frauen, 37 Prozent Männer. Im selben Zeitraum verzeichnete das Landesamt 8.036 konventionelle Suizide bei einem mittleren Alter von 58,3 Jahren. Hiervon waren 75 Prozent Männer und 25 Prozent Frauen.
Bei konventionellen Suiziden häufig psychische Vorerkrankung
Die Zahl der Vorerkrankungen unterscheidet sich: Bei den konventionellen Suiziden stand bei 48,3 Prozent der Menschen eine Vorerkrankung auf der Todesbescheinigung, bei den meisten davon (67,7 Prozent) eine psychische Erkrankung. Bei den assistierten Suiziden hatten 79,3 Prozent der Menschen eine Vorerkrankung - am häufigsten eine Erkrankung des Nervensystems (36,4 Prozent), einen Tumor (36,2 Prozent), des Kreislaufsystems (33,6 Prozent) oder des Muskel-Skelett-Systems (24,5 Prozent), seltener hingegen eine psychische Erkrankung (8,7 Prozent).
Die Gruppen der Verstorbenen nach konventionellen und assistierten Suiziden unterscheiden sich laut Landesamt deutlich. Dies habe Konsequenzen für die ethische Diskussion, für Präventionsmaßnahmen und für die Palliativ- und Hospizversorgung. Eine offene Frage sei noch, ob assistierte Suizide "zusätzlich" zu konventionellen Suiziden stattfänden oder diese "ersetzten".
Seit 2020 können in Bayern alle medizinischen Angaben auf der Todesbescheinigung ausgewertet werden, was eine "multikausale Todesursachenstatistik" ermögliche. So könne die Bedeutsamkeit von Erkrankungen besser eingeschätzt werden.