Dietrich Bonhoeffer war 13 oder 14 Jahre alt, als er eine innere Erfahrung gemacht hat, über die er später nur in Andeutungen sprach. Von diesem Moment an hatte er die Gewissheit, dass er Pfarrer werden würde. Diese Stimme wurde ihm zum Lebenskompass, der ihn nie verlassen hat. Hellsichtig sah er den Sturz des Faschismus voraus – und auch das eigene Martyrium, einschließlich der Gewissheit, dass er im Alter von 39 Jahren sterben würde. 

Bonhoeffer war ein Beter. "Beten und Tun des Gerechten" sind für ihn die beiden Pfeiler des christlichen Lebens. Im Predigerseminar Finkenwalde, wo er illegal junge Geistliche für die "Bekennende Kirche" ausbildete, beharrte er darauf, dass die Kandidaten täglich persönlich 30 Minuten in der Stille ein Gotteswort existenziell auf sich wirken lassen – damals im Protestantismus höchst ungewöhnlich! Er fand diese "naive" innere Aneignung der biblischen Botschaft entscheidend – als Balance zu einer akademischen Theologie, die er auf hohem Niveau betrieb. 

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