Ausgerechnet in einer Zeit, in der queerfeindliche Angriffe zunehmen und viele junge Menschen unter Ausgrenzung und Diskriminierung leiden, droht einem der wichtigsten bundesweiten Verbände für queere Jugendliche das Aus. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat die Rahmenvereinbarung mit dem Jugendnetzwerk Lambda e. V. gekündigt. Läuft die Finanzierung wie angekündigt zum Jahresende aus, kann der Verband seine Arbeit nicht mehr fortführen.

Seit 1990 vertritt Lambda die Interessen queerer junger Menschen in Deutschland. Der Verband organisiert Jugendbegegnungen, stärkt Ehrenamtliche, bietet Beratungs- und Vernetzungsangebote an und schafft Räume, in denen junge Menschen sich ohne Angst vor Ausgrenzung begegnen können. Nun kämpft Lambda ums Überleben. 

Dabei kommt die Entscheidung zu einem Zeitpunkt, an dem der Bedarf an solchen Angeboten eher wächst als sinkt. Nach Angaben des Bundeskriminalamts steigt die Zahl queerfeindlicher Hasskriminalität seit Jahren deutlich an. Fachleute gehen zudem davon aus, dass etliche Fälle gar nicht erst angezeigt werden und die tatsächlichen Zahlen noch deutlich höher liegen. 

Warum queere Jugendliche besonders auf Unterstützung angewiesen sind

Auch die psychische Belastung queerer Jugendlicher ist seit Jahren gut dokumentiert. Studien zeigen, dass sie deutlich häufiger unter Depressionen, Angststörungen und Suizidgedanken leiden als ihre heterosexuellen oder cisgeschlechtlichen Altersgenoss:innen. Ursachen dafür sind meist nicht die eigene Identität, sondern Erfahrungen mit Mobbing, Diskriminierung, Ablehnung oder Einsamkeit. Selbst das Bundesfamilienministerium weist in seiner Strategie gegen Einsamkeit 2025 noch darauf hin, dass queere junge Menschen aufgrund von Ausgrenzung überdurchschnittlich häufig von sozialer Isolation betroffen sind. 

Gerade deshalb sind Angebote wie Lambda weit mehr als ein Netzwerk. Sie sind für viele Jugendliche ein Schutzraum. Ein Ort, an dem sie Menschen treffen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, Unterstützung finden und erleben, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein sind. Das kann im Ernstfall sogar Leben retten. 

Gegen die drohende Schließung regt sich inzwischen Widerstand. Lambda hat einen offenen Brief an Bundesministerin Karin Prien veröffentlicht und fordert die Rücknahme der Kündigung der Rahmenvereinbarung. Gleichzeitig ruft der Verband Organisationen, Unterstützer:innen und Privatpersonen dazu auf, sich an die Politik zu wenden, den offenen Brief zu verbreiten und mit Spenden zum Fortbestand der Arbeit beizutragen. Viele Verbände und Personen öffentlichen Lebens haben den Aufruf auf Social Media mittlerweile geteilt. 

Warum der Fall Lambda weit über einen einzelnen Verband hinausgeht

Die Diskussion um Lambda ist deshalb mehr als eine Debatte über Fördergelder. Sie wirft die grundsätzliche Frage auf, welchen Stellenwert der Schutz junger queerer Menschen in Deutschland künftig haben soll. Wenn ausgerechnet in einer Zeit wachsender Anfeindungen ein bundesweit etabliertes Unterstützungsangebot wegfällt, wäre das für viele Betroffene ein schweres Signal. 

Wer Lambda unterstützen möchte, findet weitere Informationen, den offenen Brief sowie Möglichkeiten zum Spenden auf der Kampagnenseite "Lambda retten".