Der langjährige Intendant des ZDF Dieter Stolte, ein Urgestein des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sagte mir einmal den unvergesslichen Satz:

Eine gut recherchierte und seriös validierte, eine klug im Kontext eingeordnete und mit Hintergrund berichtete Information ist für eine freie und demokratische Gesellschaft und die Menschen, die in ihr leben, genauso wichtig, wie sauberes Wasser.

Nimmt man diese Metapher ernst: Information ist wie Wasser, dann heißt das, sie kann sauber oder auch vergiftet sein. Dann wird einem klar, dass es hier um nichts Geringeres geht als ums Überleben. Denn Menschen können nicht überleben ohne sauberes Wasser und freie Gesellschaften können nicht überleben ohne valide Informationen.

Wir leben in einer Zeit der Informationsverflachung, so wie unsere Flüsse immer niedriger werden, wir leben in einer Kommunikationsgesellschaft, in der uns vorgegaukelt wird, wir würden in einem Overkill von Informationen leben, aber bei genauem Hinsehen, werden die Informationen zwar immer mehr, aber der Informationsgehalt wird immer banaler. Unsere Informationsflüsse sind flach und vielerorts umgekippt, sie sind toxisch geworden.

Toxisch heißt, dass wir unsere Wahrnehmung vergiften lassen durch überflüssige Information, die uns vom Wichtigen ablenkt, durch falsche Information, die uns manipuliert, durch halbgare Information, die uns mit Halbwissen zurücklässt, und durch alarmistische Information, die uns in einen dauerhaften Erregungs- und Angstzustand versetzt.
Wir Deutschen haben von den Engländern diese wunderbare Idee eine "public broadcasting" geerbt, ein Rundfunksystem, das dem "public value" verpflichtet ist oder wie wir auf Deutsch sagen: dem Gemeinwohl.

Die Idee ist ebenso einfach zu verstehen, wie schwer zu verwirklichen. Jeder Bürger und jede Bürgerin dieses Landes zahlt in eine gemeinsame Kasse, damit sich die Gesellschaft unabhängige, breit vernetzte, gut ausgebildete und sorgfältig mit Zeit und Muße arbeitende Journalisten und Journalistinnen leisten kann. 

Es für diese öffentlich-rechtlichen Medieneinrichtungen sehr schwer sich der anhaltenden Hatz nach Sensationen und Skandalen zu entziehen - und ruhig zu bleiben bei Gewichtungen. Und immer wieder die Frage zu stellen: was müssen die Bürger wirklich wissen, damit sie ein unabhängiges, erwachsenes und gut informiertes Urteil fällen können... 

  • über einen sterbenden Wal? (muss ich das alles wissen?) 
  • über den Handelskrieg mit den USA (das muss ich wissen!) 
  • über Familie Geissen? (muss ich überhaupt gar nicht wissen!) 
  • Über die Familienverhältnisse von Alice Weidel (geht mich eigentlich gar nichts an, aber die AfD agiert gegen homosexuelle Menschen und Frau Weidl ist in der Schweiz mit einer Frau verheiratet.)

Jede Information muss abgewogen und eingeordnet werden. Wir haben in den letzten Jahren erfahren, was es bedeutet, wenn Informationen wissentlich und boshaft in falsche Kontexte gesetzt werden. 

Wir wissen, dass ganze Industrien im Ausland und im Inland daran arbeiten dieses saubere Wasser in einen giftigen Strom zu verwandeln. Wir sollten wie Ertrinkende unsere Glaubwürdigkeitsmarken festhalten wie ein Floß im reißenden Strom.

Aktion "Demokratie braucht viele Stimmen"

Unsere sonntags-Redaktion beteiligt sich an der bundesweiten Aktion "Demokratie braucht viele Stimmen". Wir haben prominente Autorinnen und Autoren um einen Gastbeitrag gebeten. Die Beiträge werden in der Woche vom 14. bis 19. September 2026 veröffentlicht.

Allgemeine Informationen zur Aktion findet Ihr unter diesem Link.

Den Kommentar von Oliver Marquart zum Thema gibt es unter diesem Link.