Es gibt Verunsicherungen auf beiden Seiten des Atlantiks. Künstler, Kulturschaffende sowie Schüler und ihre Eltern machen sich derzeit Sorgen um eine Einreise in die USA. "Unsere Aufgabe ist es auch, ihnen die Angst zu nehmen", sagt Wenzel Bilger, vom Goethe-Institut in Washington. Er ist Leiter der Region Nordamerika. Die transatlantischen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA sind heute nicht mehr so selbstverständlich, Vorbehalte nehmen zu, Partnerschaften und Kooperationen geraten unter Druck. "Das macht unsere Aufgabe gerade jetzt umso wichtiger", sagt Bilger: "Für uns als Goethe-Institut ist es ein guter Moment. Es ist eine Chance, zu zeigen, was Kultur- und Bildungsangebote und internationale Zusammenarbeit leisten können."

Der Auftrag des Goethe-Instituts habe sich in den vergangenen 75 Jahren kaum verändert: "Wir bringen Menschen über Kultur und Sprache zusammen", fasst Bilger zusammen. Wie das geschieht, habe sich dagegen immer wieder verändert, so auch in den USA. Nachdem das Goethe-Institut am 9. August 1951 in München gegründet wurde, wo es noch heute seine Zentrale hat, wuchs es schnell. Schon 1952 wurde in Athen das erste Institut außerhalb Deutschlands eröffnet.

Goethe-Haus in New York

In den USA begann die Geschichte des Goethe-Instituts zunächst mit einer Privatinitiative. 1955 entstand in New York City das Goethe-Haus. Die ersten offiziellen Goethe-Institute folgten 1967 in Boston und San Francisco. Zwei Jahre später wurde das Goethe-Haus in New York Teil des weltweiten Netzwerks. In den folgenden Jahrzehnten kamen Chicago und Los Angeles und schließlich 1990 Washington D.C hinzu.

Heute ist das Goethe-Institut an sieben Standorten in den USA vertreten. Drei liegen an der Ostküste, zwei an der Westküste, hinzu kommen Chicago und seit dem vergangenen Jahr Houston in Texas. Schon bald soll mit St. Louis in Missouri ein weiterer Standort folgen. Die beiden Neueröffnungen zeigen, wie stark sich das Institut derzeit wandelt. "Nicht erst seit der Amtszeit von Donald Trump nehmen wir andere Rahmenbedingungen wahr", sagt Bilger. Viele Partner stünden unter Druck. Deshalb stelle sich die Frage, wie das Goethe-Institut auf das veränderte transatlantische Verhältnis reagieren könne.

Angebote in der Fläche

Eine Antwort liegt ausgerechnet dort, wo das Goethe-Institut lange kaum vertreten war: im Landesinneren der USA. Houston und St. Louis seien bewusst ausgewählt worden. Texas sei als riesiger Bundesstaat bislang nur schwer erreichbar gewesen. Mit St. Louis erschließe das Institut zudem eine Region im Mittleren Westen, in der es bisher kaum präsent gewesen sei. "Platt gesagt, wollen wir bewusst auch dahin, wo viel Trump gewählt wurde", sagt Bilger.

Wuchs das Goethe-Institut bisher vor allem entlang der Küsten und in den großen Metropolen, richtet sich der Blick nun vor allem auf Regionen, in denen sprachliche und kulturelle Angebote seltener sind. Gemeinsam mit Schulen, Lehrkräften, Kulturinstitutionen und anderen Partnern sollen dort neue Netzwerke entstehen und die Angebote in die Fläche reichen.

Neue Wege gibt es auch bei den Sprachkursen. Die USA sind das erste Land, in denen das Goethe-Institut Sprachkurse rein digital anbietet. Mit Erfolg, sagt Bilger. Teilnehmer gibt es inzwischen aus allen 50 Bundesstaaten und das Interesse sei zuletzt weiter gestiegen. Der Leiter der Region Nordamerika hat sein Amt erst im April übernommen. Er selbst ist damit Teil des Wandels. Der Auftrag des Goethe-Instituts sei derselbe wie bei der Gründung, aber die Organisation passe sich immer wieder an.

Keine politische Organisation

Das Goethe-Institut versteht sich nicht als politische Organisation, aber die Arbeit sei doch immer auch politisch, so Bilger. Das Kultur- und Bildungsinstitut stehe für freie Kunst, Menschenrechte und demokratische Grundwerte. Eigene politische Positionen vertrete das Institut nicht, vielmehr will es Räume schaffen, in denen unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und kontroverse Diskussionen möglich sind.

Wie das Institut wirkt, zeigen die Zahlen: 2025 nahmen 3.767 Menschen an Sprachkursen teil, rund 55.000 besuchten Kulturveranstaltungen und rund 690.000 nutzten Informationsangebote. An den sieben - bald acht Standorten - arbeiten 62 Lokalbeschäftigte und 13 Entsandte. "Wir schaffen mit wenig Personen wahnsinnig viel", betont Wenzel Bilger.

Gemessen an der Größe der USA bleibe das Goethe-Institut zwar eine kleine Organisation, sagt Bilger. Der Beitrag zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen ist aber groß. "Es gibt auf so vielen Ebenen enorm gute Beziehungen zwischen Deutschland und den USA. Wir leisten einen Beitrag dazu, dass das trotz allem auch so bleibt."