Direkt am Badestrand des Großen Brombachsees gelegen, verschmelzen hier Live-Konzerte internationaler Größen mit einer entspannten Urlaubsatmosphäre, die Generationen verbindet. Besonders für die Rockmusikfans der 60er, 70er und 80er Jahre ist "Lieder am See" ein fester Termin, um in Erinnerungen zu schwelgen und handgemachte Musik in einer einzigartigen Kulisse zu genießen.

Schon bei der Anfahrt zeigte sich die ungebrochene Popularität des Events. Die Veranstalter hatten im Vorfeld bereits online um Verständnis für mögliche Irritationen bei der An- und Abreise gebeten. Tatsächlich gestaltete sich die Logistik für einige Besucher als Herausforderung. Da das Gelände direkt am See liegt, wurden Shuttlebusse eingesetzt, die die Massen von großflächig freigemähten Parkplätzen oberhalb des Geländes zum Strand hinunterfuhren. Trotz einer Wartezeit von über einer halben Stunde blieb die Stimmung jedoch bemerkenswert friedlich – ein Markenzeichen dieses Festivals.

Sobald man jedoch das Gelände betrat, war der organisatorische Stress vergessen. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite: angenehm warm, aber nicht zu heiß, mit einer leichten Bewölkung, die vor der brennenden Sonne schützte. "Idyllisch. Einfach idyllisch", so fasste ein langjähriger Fan die Atmosphäre zusammen, während der Blick über das Wasser und die "Seedylle" schweifte.

Zwischen Rocknostalgie und Urlaubsgefühl

Pünktlich und diszipliniert startete das Programm, das wie ein perfekt getaktetes Uhrwerk ablief – jede Band spielte etwa eine Stunde, gefolgt von einer halben Stunde Umbaupause. Den Auftakt machten Ten Years After. Obwohl von der Gründungsbesetzung nur noch Schlagzeuger Ric Lee dabei war, überzeugte die Band durch Spielfreude und technische Brillanz. Besonders Gitarrist Sam C Lees, ein wahrer Gitarren-Hexer, verlieh den Klassikern wie "Love Like a Man" durch eigene Improvisationen eine frische Note, ohne den authentischen Sound von früher zu verlieren.

Einen rhythmischen Kontrast boten im Anschluss The Wailers. Die ehemalige Begleitband von Bob Marley brachte jamaikanisches Flair an den fränkischen Strand. Mit zwei Sängerinnen, die den typischen Sound live perfekt umsetzten, verwandelten sie den Bereich vor der Bühne in eine große Tanzfläche. Für viele Rockfans war der Reggae zwar eine Abwechslung, doch die positive Energie und die rhythmische Tanzmusik kamen beim Publikum hervorragend an.

Mit The Sweet kehrte das Festival zu seinen Kernwurzeln zurück. Gründungsmitglied Andy Scott, unverkennbar mit seiner weißhaarigen Riesenfrisur, führte die Band an. Der markante mehrstimmige Satzgesang klang unverkennbar gut und weckte sofort Erinnerungen an die Blütezeit des Glam-Rock. Als die ersten Akkorde von "Ballroom Blitz" und "Fox on the Run" erklangen, gab es kein Halten mehr – die Menge feierte die Band für ihren authentischen Auftritt.

Klassiker, Mitsingmomente und große Emotionen

Gleich darauf lieferten "Magnum" einen grundsoliden britischen Rockbeat. Trotz des Todes ihres langjährigen Gitarristen Tony Clarkin im Jahr 2024 zeigten sich die verbliebenen Musiker um den mittlerweile 79-jährigen Sänger Bob Catley in beachtlicher Form. Besonders der neue Gitarrist Brendon Riley wurde für seine Leistung gelobt. Catley verstand es meisterhaft, das Publikum zu animieren und brachte einen pfiffigen Schwung auf die Bühne, der die Zuschauer die teilweise sichtbaren Spuren der Jahrzehnte vergessen ließ.

Als sich der Tag dem Abend neigte, betraten The Stranglers die Bühne. Obwohl sie einer etwas jüngeren Generation als die anderen Bands angehörten, fügten sie sich mit ihrer melodischen Art perfekt in das Line-Up ein. Hits wie "Always the Sun" und das ikonische "Golden Brown" sorgten für eine heitere Stimmung unter den Besuchern – ein Moment purer Harmonie, der die besondere Friedfertigkeit des Festivals unterstrich.

Den krönenden Abschluss bildeten die Headliner von Uriah Heep. Urgestein Mick Box zelebrierte sein Gitarrenspiel mit ausgiebigen Soli und einer Technik, bei der er die Saiten fast schon tänzerisch bearbeitete. Die Band wirkte trotz ihres Alters nahezu jugendlich und lieferte eine hochprofessionelle Show ab. Als die legendäre Hymne "Lady in Black" erklang, sangen tausende Kehlen mit, und kaum ein Besucher verließ das Gelände vorzeitig. Es war ein würdiger Abschluss für einen Tag, der bewies, dass diese alten Größen immer noch die Kraft haben, ein Massenpublikum zu begeistern und dabei vollkommen authentisch zu bleiben.

Line-up für 2027 steht bereits fest

Noch während die letzten Klänge von Uriah Heep über den Brombachsee wehten, richtete sich der Blick bereits auf das nächste Jahr. Die Veranstalter nutzten die Gunst der Stunde und gaben das bereits jetzt hochkarätig besetzte Line-Up für das kommende Jahr bekannt.

Am 17. Juli 2027 wird "Lieder am See" erneut seine Tore öffnen. Die Fans dürfen sich auf eine Fortsetzung der Rock-Tradition freuen, denn mit Lynyrd Skynyrd konnte eine Southern-Rock-Legende als Headliner gewonnen werden. Flankiert werden sie von dem Ausnahmegitarristen Joe Bonamassa. Ebenfalls bestätigt sind The Hooters die Progressive-Rock-Legenden von Saga.

Ein alter Mann mit Gitarre
The Sweet mit Andy Scott bei "Lieder am See" 2026