Dolly Parton ist tot. Die Country-Legende starb am Dienstag, 25. August, im Alter von 80 Jahren in Nashville. Ihre Familie bestätigte ihren Tod.
80 Jahre Dolly Parton – das sind mehr als sechs Jahrzehnte im Musikgeschäft, unzählige Welthits, Filme, Auszeichnungen und Millionen verkaufte Platten. Es sind "Jolene", "9 to 5" und "I Will Always Love You". Es sind blonde Perücken, glitzernde Kleider, hohe Schuhe – und eine Frau, die über sich selbst vermutlich mehr Witze gemacht hat als alle anderen.
Aber Dolly Parton war nie nur Country-Sängerin. Sie war Songwriterin, Schauspielerin, Unternehmerin und eine der erfolgreichsten Frauen der amerikanischen Musikgeschichte. Vor allem aber war sie eine Frau, die sich nie auf eine einzige Rolle reduzieren ließ.
Sie war tiefgläubige Christin und zugleich eine Ikone für die queere Community. Sie war betont feminin und machte gerade daraus ihre Stärke. Für viele Menschen wurde sie zu einer Stimme, die ihnen sagte: Du darfst du selbst sein.
Ein Glaube ohne erhobenen Zeigefinger
Dolly Partons Glaube war kein PR-Accessoire, um ein christliches Publikum anzusprechen. Sie wuchs in einer religiösen Familie auf, ihr Großvater war Prediger einer Pfingstgemeinde. Gebet, Bibel und Gottesdienst gehörten zu ihrer Kindheit.
Dieser Glaube blieb zeitlebens ein wichtiger Teil ihres Lebens. Sie sprach offen über Gott und das Gebet. Einmal sagte sie:
"I just believe that there’s a God. I believe that God helps me, leads me. I talk to Him every day."
"Ich glaube einfach, dass es einen Gott gibt. Ich glaube, dass Gott mir hilft und mich leitet. Ich spreche jeden Tag mit ihm."
Bemerkenswert ist dabei weniger, dass Dolly Parton gläubig war, sondern wie sie ihren Glauben lebte. Ihr Christentum war für sie keine Begründung, anderen Menschen vorzuschreiben, wie sie zu leben hatten. Stattdessen sprach sie von Hoffnung, Liebe und davon, den eigenen Weg zu finden.
Das zeigte sich besonders in ihrem Verhältnis zu ihrer queeren Fangemeinde.
Warum Dolly Parton zur queeren Ikone wurde
Dass ausgerechnet eine tiefgläubige Country-Sängerin zu einer queeren Ikone wurde, mag zunächst widersprüchlich wirken. Bei Dolly Parton passte beides erstaunlich gut zusammen.
Sie hatte eine riesige queere Fangemeinde. Dragqueens verkleideten sich als Dolly, sangen ihre Lieder und feierten sie. Parton selbst sagte 2016 dem LGBTQ-Magazin "PrideSource":
"I have a huge gay and lesbian following and I’m proud of ’em, I love ’em and I think everybody should be themselves and be allowed to be themselves whoever they are, whatever they are."
"Ich habe eine große schwule und lesbische Anhängerschaft, und ich bin stolz auf sie. Ich liebe sie und finde, dass alle sie selbst sein und so leben dürfen sollten, wie sie sind."
Dazu passt ein Satz, den Parton selbst zu ihren "Dollyisms" zählte:
"Find out who you are and do it on purpose."
"Finde heraus, wer du bist, und lebe es ganz bewusst."
2024 erklärte sie, dazu gehörten "thought, prayer, and effort" – Nachdenken, Gebet und eigene Anstrengung. Selbstbestimmung und Glaube waren für Parton keine Gegensätze.
Eine Frau, die sich selbst erfand
Auch Dolly Parton selbst lebte nach diesem Gedanken. Sie stammte aus einer armen Familie mit zwölf Kindern in den Smoky Mountains und baute sich eine beispiellose Karriere auf. Sie schrieb ihre eigenen Songs, gründete Unternehmen und wurde zu einer der erfolgreichsten Musikerinnen ihrer Generation.
Dabei ließ sie sich nie vorschreiben, wie eine "seriöse" und erfolgreiche Frau auszusehen hatte. Die blonde Perücke, die künstlichen Fingernägel, die hohen Schuhe und ihre betonte Weiblichkeit waren nichts, was sie verstecken musste, um ernst genommen zu werden. Sie machte all das zu einem Teil ihrer Marke – und nahm anderen damit die Möglichkeit, über sie zu bestimmen.
Zurück bleibt eine ungewöhnlich vielfältige und liebevolle Anhängerschaft. In den sozialen Medien und weit darüber hinaus trauern Menschen um eine starke, humorvolle und warmherzige Frau, die auch nach ihrem Tod für viele ein Vorbild bleiben wird.