Sie brachte den Protestantismus nach Bayern: Karoline von Bayern. Am 13. Juli 2026 feiert die evangelische Kirche in München den 250. Geburtstag von Karoline mit einem Festgottesdienst. 

Karoline von Baden  (1776-1841) heiratete 1797 in Karlsruhe den verwitweten Herzog Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken. Weil der Herzog verwitwet war,  wurde sie die Stiefmutter von vier Kindern. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor, von denen fünf das Erwachsenenalter erreichten. 1799 zog die Familie nach München, nachdem Max Joseph zum Kurfürsten von Pfalzbayern geworden war. 

Was im Ehevertrag von Karoline stand

Der Ehevertrag, der im Vorfeld geschnürt wurde, hatte es in sich. In dem Vertrag wurde festgeschrieben, dass Karoline ihren Glauben ausüben darf und die Konfession nicht wechseln muss. Sie durfte einen protestantischen Prediger einstellen und sollte einen Raum für den Gottesdienst erhalten. 

Das war für die damalige Zeit durchaus ungewöhnlich. Zwar lebten damals schon Protestanten in München, doch gaben sie sich meist als Katholiken aus, wie der Historiker Christian Sepp für seine Biographie über Karoline recherchiert hat. Protestanten wurden zwar nicht verfolgt, doch nur geduldet. Sie durften keinen Grund und Boden erwerben, keiner Zunft beitreten und auch nicht das Bürgerrecht erwerben. 

Als Karoline 1799 nach München zieht, geben sich zunächst nur wenige Protestanten zu erkennen. Sie bringt ihren Kabinettsprediger Ludwig Friedrich Schmidt mit und sorgt dafür, dass nach einer kurzen Zeit der Protestantismus dem Katholizismus in Bayern gleichgestellt wird.

Die Gottesdienste werden zunächst im Grünen Saal in Schloss Nymphenburg gehalten. Der erste Gottesdienst findet am 2. Juni 1799 statt. Doch der Saal ist nur ein Provisorium. Um 1800 folgt der Umzug in die Residenz. Dort wird der Ballsaal zu einem "Hofbethaus" umfunktioniert. Es ist die erste protestantische Kirche in Bayern.

Erster evangelischer Gottesdienst in München

Am Palmsonntag 1800 wird der erste Gottesdienst gefeiert, erneut hält der Kabinettsprediger Schmidt die Predigt. Unter den rund 900 Gästen befinden sich auch einige Katholiken, die sich neugierig unter die Menge mischen. Das Hofbethaus gibt es heute nicht mehr - an seiner Stelle befindet sich heute das Cuvilliéstheater.

Im Januar 1806 wurde die Kurfürstin zur ersten Königin Bayerns ernannt. Als Bayern weitere Gebiete erhält, in denen vor allem Protestanten leben, wird es immer wichtiger, religiöse Toleranz zu zeigen. Ihre Anwesenheit in Bayern hat somit eine integrative Funktion.

Als Königin zeigt Karoline durchaus Gefallen an Repräsentation: Sie lässt die Münchner Residenz umbauen und erwirbt später auch das Kloster Tegernsee, um es zum Schloss umbauen zu lassen. Karoline stirbt am 13. November 1841 in München und wird in der Münchner katholischen Theatinerkirche beigesetzt.

Wie tief die Gräben zwischen den Kirchen damals waren, wird an den Regulatorien zur Beisetzung deutlich: Der gesamte Klerus musste in weltlicher Kleidung erscheinen, und die protestantischen Geistlichen durften den Sarg nur bis zur Kirchtür begleiten. Dort löste sich der Leichenzug auf, und der Sarg wurde ohne Gebet und Begleitung in die Gruft gebracht. 

Vortrag und Gottesdienst zu Caroline von Bayern

Anlässlich des 250. Geburtstags von Caroline von Bayern gibt es am 13. Juli 2026 um 19 Uhr in St. Markus einen Vortrag über ihr Leben, Werk und Glauben. Den Vortrag hält die Historikerin Susanne Pfisterer-Haas. Stadtdekan Bernhard Liess spricht ein Grußwort. Im Anschluss findet ein Empfang statt. 

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