Die Schweizer Sängerin Milune sorgte vor wenigen Tagen mit ihrem neuen Musikvideo für Schlagzeilen – allerdings nicht, weil der Song oder das Video besonders erfolgreich gewesen wären, sondern wegen der Debatte, die sie damit auslöste.
Für das Musikvideo zu ihrem Song "You believe in Jesus, I believe in Pussy" drehte Milune mit ihrem Team ausgerechnet in einer katholischen Kirche, offenbar ohne vorher eine Drehgenehmigung einzuholen. Entstanden sind die Aufnahmen in der Basilika St. Emmeram in Regensburg.
Der zuständige Pfarrer Roman Gerl zeigte sich über das Video empört. Es habe keine Dreherlaubnis gegeben, und für ein solches Projekt hätte er auch nie eine erteilt, sagte er.
Provokation in Richtung Fürstin Gloria?
Warum die Wahl auf Regensburg fiel, ist nicht bekannt. In den sozialen Medien kursieren verschiedene Vermutungen. So wird etwa spekuliert, dass der Dreh auch als Provokation in Richtung Gloria von Thurn und Taxis gedacht gewesen sein könnte.
Wollte Milune die Fürstin, die in den letzten Jahren immer wieder mit ultrakonservativen Aussagen sowie Verbindungen zu AfD-Politiker:innen und rechten Netzwerken glänzte, absichtlich reizen? Belegen lässt sich das nicht. Aber zeitlich fiel die Veröffentlichung mit dem Beginn der Schlossfestspiele zusammen, und die Basilika St. Emmeram befindet sich auf dem Gelände des Schlosses, dem Stammsitz der Fürstin.
Eine weitere, ebenfalls unbelegte Theorie lautet, dass die Kontroverse Teil einer Marketingstrategie gewesen sein könnte. Tatsächlich erhielt die Sängerin durch den Vorfall deutlich mehr Aufmerksamkeit, als sie ihr Musikvideo vermutlich sonst bekommen hätte, obwohl dieses inzwischen nicht mehr online verfügbar ist.
Es geht nicht nur um Drehgenehmigungen
Das Team der Sängerin erklärte auf Anfrage lediglich, man habe angeblich nicht gewusst, dass für Dreharbeiten in einer Kirche eine Genehmigung erforderlich sei. Demnach sei das Filmen ohne Erlaubnis keine absichtliche Regelverletzung gewesen.
Auch wenn sich die Diskussion teilweise auf die fehlende Drehgenehmigung konzentriert, dürfte das nicht der eigentliche Grund für die öffentliche Empörung sein. Immer wieder wird an öffentlichen Orten ohne Genehmigung gefilmt, ohne dass dies vergleichbare Reaktionen hervorruft. Im Mittelpunkt der Kritik steht vielmehr der Umgang mit einem sakralen Raum.
Das Musikvideo zeigt unter anderem eine lesbische Liebesbeziehung innerhalb der Kirche. Zu sehen sind freizügig bekleidete Menschen, das Posieren auf Kirchenbänken, ein Zungenkuss im Beichtstuhl sowie eine als Engel inszenierte Partnerin mit einem Rosenkranz auf dem Kopf. In den sozialen Medien wird dies von vielen als respektlos, grenzüberschreitend oder sogar als blasphemisch bezeichnet.
Kritik auch aus queerer Community
Bemerkenswert ist dabei, dass die Kritik nicht nur aus kirchlichen Kreisen kommt. Auch die queere Community in Regensburg äußerte sich kritisch. Der Vorstand von Queeres Regensburg e.V. verwies darauf, dass Pfarrer Roman Gerl die Basilika St. Emmeram bereits für einen Regenbogengottesdienst geöffnet und damit ein wichtiges Zeichen für den Dialog zwischen katholischer Kirche und queeren Menschen gesetzt habe. Eine derart provokante Aktion könne diesen Dialog eher erschweren als fördern.
Unabhängig von den möglichen Motiven wirft der Fall eine grundsätzliche Debatte auf: Wie kann Kritik an der Kirche geäußert werden? Provokation gehört seit jeher zu den Mitteln der Kunst und kann Debatten anstoßen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob eine bewusste Verletzung religiöser Gefühle tatsächlich etwas ändern kann oder ob sie Fronten verhärtet und den Dialog erschwert.
Für viele Christ:innen ist eine Kirche nicht einfach eine beliebige Kulisse, sondern ein heiliger Ort. Wer diesen bewusst für provokante Inszenierungen nutzt, muss damit rechnen, dass Gläubige dies als Verletzung ihrer religiösen Überzeugungen empfinden. Gleichzeitig sollte man den Videodreh auch nicht überbewerten.
Wenn gesellschaftlicher Dialog gelingen soll, braucht es auf beiden Seiten die Bereitschaft, Kritik zu äußern und zugleich die Überzeugungen des Gegenübers ernst zu nehmen.