Es ist ein Experiment in Gemeinschaft, das unter dem Motto "Kirche lebendig erleben" den Beweis antritt, dass Kooperation nicht den Verlust der eigenen Identität bedeuten muss. Das Konzept bricht mit der Tradition, dass jede Gemeinde nur für sich allein sorgt. "Das Wesentliche dieser Gottesdienste ist, dass immer zwei Gemeinden zusammenarbeiten", erklärt Thomas Geiger, Kirchenvorsteher in Altensittenbach. Während eine Gemeinde als Gastgeber fungiert und für die Begrüßung sowie die anschließende Bewirtung mit Essen und Trinken sorgt, übernimmt die andere als Programmgemeinde die inhaltliche Gestaltung. Wenn eine sehr kleine Gemeinde wie Oberkrumbach involviert ist, springt oft sogar eine dritte helfend ein.

Neue Impulse statt Kirchturmdenken

Ein zentraler Pfeiler sind dabei die Impulse von außen. Um "nicht nur im eigenen Saft zu schmoren", laden die Organisatoren bewusst externe Predigerinnen und Prediger ein. So standen bereits Namen wie Kirchenrat Michael Wolf, die Fernsehpfarrerin Simone Hahn oder auch der in Altsittenbach gebürtige Pfarrer Mario Ertel (Büchenbach) auf der Kanzel, um neue geistliche Perspektiven zu eröffnen. Musikalisch wird es ebenso vielfältig: Ob Posaunenchöre, Bands oder spontane Zusammenschlüsse von Musikern aus allen beteiligten Orten – die Gestaltung ist so individuell wie die Gemeinden selbst.

Was "Fünf auf einem Weg" so besonders macht, ist seine Entstehungsgeschichte. Es war keine Verordnung "von oben", sondern eine echte Graswurzelbewegung von unten. Die Initiative ging direkt aus der Mitte der Kirchenvorstände hervor, die den Prozess der Pfarreibildung zum 1. Januar 2024 nicht nur auf dem Papier vollziehen, sondern beziehungstechnisch mit Leben füllen wollten. "Wir wollten einfach, dass wir uns besser kennenlernen, dass wir stärker zusammenwachsen und uns ergänzen", erinnert sich Martin Knodt, Kirchenvorsteher in Hersbruck.

Dabei half, dass man sich in der Region zwar schon kannte, aber oft noch im klassischen "Kirchturmdenken" verhaftet war. Die Gottesdienste dienten hier als Eisbrecher. Christl Schäfer-Geiger berichtet, dass sie früher in der Band der Nachbargemeinde sang, sich dort aber nie wirklich dazugehörig fühlte – ein Gefühl, das sich durch die gemeinsame Arbeit grundlegend gewandelt hat: "Plötzlich sieht man sich und ach ja, wir gehören ja jetzt zusammen."

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